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Bernhard Schlink - Selbs Betrug

Bernhard Schlink
Selbs Betrug


Hörbuch Hamburg, 2002
Anzahl CDs: 7
Laufzeit in Minuten 490
ungekürzte Lesung
Sprecher: Hans Korte

Hoerprobe 1 (mp3, 1.8 MB)

Bestellen bei amazon.de

Eine gelungene Fortsetzung

Bernhard Schlink - Selbs Betrug

In Selbs zweitem Fall erhält unser mittlerweile 69-jähriger Ermittler einen mysteriösen Telefonanruf. Er wird mit der Suche nach der Tochter eines hohen Beamten beauftragt, allerdings mit der Prämisse, niemand im Umfeld der Tochter dürfe erfahren, dass er den Auftrag hat, diese zu finden. Und - der Kontakt zu seinem Auftraggeber darf nur über das Telefon erfolgen.
Wie bereits im ersten Teil ist diese Aufgabe schnell gelöst. Aber dann wird Selb misstrauisch und ermittelt weiter. Diesmal jedoch nicht auf eigene Faust sondern als Beauftragter eines Immobilienmoguls, der mit dem Hauptplot nichts zu tun hat.

Stand im ersten Teil „Selbs Urteil" die in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung nicht erfolgte Aufarbeitung der eigenen Nazi-Vergangenheit im Mittelpunkt, so ist es in diesem Roman der so genannte „Radikalenerlass", dass Aufkommen des bewaffneten Terrorismus durch die RAF und die Anfänge der Umweltschutzbewegung in Deutschland. In dieses Konglomerat aus tagespolitischen Ereignissen hat Schlink gekonnt die Geschichte des verschwundenen Mädchens eingebunden. Selb, der den Fall nur übernommen hat, weil ihn das Mädchen auf dem Photo, welches Ihm von seinem Auftraggeber zur Verfügung gestellt wurde, an seine Tochter erinnert, die er nie gehabt hat, verstrickt sich ohne sein Wollen oder Zutun in eine Geschichte, deren Anfänge bis ins Jahr 1945/1946 zurückreichen. Erst zu spät merkt er, dass er von verschiedenen Seiten manipuliert wurde, dass man Ihn nur benutzt, ja betrogen und mit seinen Gefühlen und seiner Loyalität vermeintlichen Freunden gegenüber gespielt hat. Hilflos, nackt und ohne die Möglichkeit zum Selbstschutz trifft Ihn diese Erkenntnis in einer Weise, dass er daran fast zerbricht.

War schon der Titel des ersten Selb Romans eine gelungene Metapher und verschlüsselter Hinweis auf das Ende des Romans, kommt die vermeintliche Auflösung des neuen Titels „Selbs Betrug" viel früher. Liest man den Roman einmal unter Berücksichtigung aller „Betrügereien", Notlügen, Ausflüchten etc. die im Buch vorkommen, wird man schnell feststellen, dass es Schlink nicht um den vordergründigen Betrug Selbs geht, sondern um den Selbstbetrug, den jeder von uns manchmal begeht, um nicht anzuecken, Ärger mit Vorgesetzen, Kollegen oder Familie „wegen Kleinigkeiten" aus dem Weg zu gehen etc.
Alle Personen im Roman haben irgendetwas zu verstecken, zu verleugnen, zu verheimlichen. Wenn die eine oder andere Figur im Plot früher die Wahrheit gesagt hätte, wäre es nicht zur Katastrophe am Ende des Buches gekommen. Ein Appell an den „aufrechten Gang"?
So simpel macht es uns Schlink nicht. Er ist kein Moralist sondern Realist. Er will nicht verbessern sondern aufzeigen. Was letztendlich der Einzelne daraus für Rückschlüsse zieht, fällt nicht in das Ressort von Schlink.

Im ersten Teil kam meiner Meinung nach das Menschliche an Selb ein wenig zu kurz. Er lernt zwar seine jetzige Freundin Brigitte kennen, aber dieser Teil der Geschichte wird nicht weiter ausgearbeitet. Im zweiten Teil wird seiner Beziehung zu seinen Freunden und Freundin sowie deren Sohn mehr Platz eingeräumt. Und dies tut der Glaubwürdigkeit des Plots und von Selb gut. Er ergeht sich weniger in Selbstzweifeln ob seiner Nazi-Vergangenheit und beschäftigt sich mehr mit den Freuden späten Liebesglücks, Beziehung, Nähe und Distanz, Vertrauen- und Vertrauensbruch. Seine Freunde werden in die Ermittlungen als Helfer integriert und unterstützen ihn auch in seinen schweren Stunden, ganz so, wie ich es mir selber von meinen Freunden wünsche, wenn mir Katastrophen, vermeintliche und echte, passieren.

Fazit: Ein würdiger Nachfolger, der Appettit auf mehr macht. Auch dieses Hörbuch wird wieder von Hans Korte gelesen, so dass auch hier die Kontinuität gewahrt bleibt und das Hörbuch dadurch wieder zu einem Hörgenuss macht.

Rezensent: Wolfgang Haan







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