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Bernhard Schlink, Walter Popp - Selbs Justiz

Bernhard Schlink, Walter Popp
Selbs Justiz


Hörbuch Hamburg, 2002
Anzahl CDs: 7
Laufzeit in Minuten 490
vollständige Lesung
Sprecher: Hans Korte

Hoerprobe 1 (mp3, 1.8 MB)

Bestellen bei amazon.de

Ein sehr gutes Debüt

Bernhard Schlink, Walter Popp - Selbs Justiz

Bernhard Schlink, geboren am 06.07.1944 in Bielefeld als Sohn eines Theologieprofessors und einer Schweizerin, war zuletzt tätig als Richter am Verfassungsgericht in Nordrheinwestfalen.
Mit „Selbs Justiz" legt er seinen ersten Kriminalroman vor. Protagonist seines Buches ist der verwitwete und gealterte Privatdetektiv Gerhard Selb, der sich mit seiner Kanzlei nur über Wasser halten konnte, weil er von ehemaligen Studienkollegen am Anfang seiner Karriere protegiert und in schlechten Zeiten mit „Scheinaufträgen" über Wasser gehalten wurde.

Nun, mit 68 Jahren, in einem Alter also, in dem die meisten Menschen Ihrer Ruhestand genießen, ermittelt Selb immer noch. Zum einen, weil er es sich nicht leisten kann, aufzuhören, zum anderen, weil „Detektiv spielen" sein Leben ist.

Selb ist aber kein grantelnder Alter, der an Nichts ein gutes Haar lässt und nostalgisch verklärt auf seine Nazi-Vergangenheit zurück blickt , sondern im Gegenteil ein wacher Beobachter seiner Umwelt, des politischen Umfeldes und Stimmung sowie gesellschaftlicher Entwicklungen.
Auch mit Kritik an sich und seinen Freunden hält er nicht zurück, auch wenn er manchmal etwas langsam ist und eine Beleidigung am Morgen erst am Mittag realisiert.

Zum Inhalt: Die Geschichte beginnt harmlos. Durch seinen besten Freund und Schwager erhält er bei einem Luxus-Diner den Auftrag, einen Hacker zu finden, der in das Firmennetz eingedrungen ist und z.B. allen Angestellten eine Lohnerhöhung gezahlt hat. Da die Auftragslage für einen Detektiv im besten Rentenalter nicht gerade rosig ist, nimmt Selb den Auftrag an. Er findet den Hacker mit columbiascher Schlauheit und bereits nach wenigen Seiten ist der Fall gelöst. Aber damit ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende denn Selb traut der ganzen Sache nicht und ermittelt auf eigene Rechnung weiter; etwas, was nach seinen eigenen Worten ein Detektiv nie tun sollte.

Damit reiht Schlink seinen Protagonisten nahtlos in die Schlange berühmter und bekannter amerikanischer „Serie Noir"-Detektiven ein, die so häufig von Humphrey Bogart z. B. in „The Big Sleep", verkörpert wurden. Und er macht deutlich, von welcher Art von Büchern und Autoren er inspiriert wurde:
Dashiel Hammett, Truman Capote, Graham Greene und natürlich von Ross Macdonald sowie
Raymond Chandler und Raymond Carver.
Bei diesen Autoren steht am Anfang des Romans immer eine kleine Begebenheit, die simpel zu lösen oder aufzuklären ist, die aber nur der Anfang oder die Spitze eines Eisberges ist, und wenn der "Schnüffler" tiefer schürft als er soll, stößt er auf die Geschichte hinter der Geschichte hinter der Geschichte ... So auch hier.

Außerdem hat Schlink die Vielschichtigkeit der im Roman auftauchenden Figuren übernommen. Keiner der Protagonisten ist nur Gut oder nur Böse inkl. Gerhard Selb. Manchmal wendet er unorthodoxe Ermittlungsmethoden an oder verteilt eine seiner Visitenkarten, auf denen er, je nach Bedarf, mal Detektiv, mal Waschmaschinenverkäufer oder Generaldirektor ist. Auch mit sonstigen Verstößen gegen geltendes Recht wie z. B. Einbruch-Diebstahl, Amtsmissbrauch oder Bestechung hat Selb kein Problem.

Auch sonst ist Selb kein Kostverächter. Er flirtet, raucht, trinkt, spielt etc. ganz so, wie man es aus amerikanischen Romanen kennt, aber doch anders. Selb ist nicht der Harte mit dem weichen Kern sondern eher introvertiert, nachdenklich, sensibel und ist sich selbst und seiner Vergangenheit bewusst. In der Tat spielt, am Anfang zwar angedeutet, jedoch noch nicht relevant für die Geschichte, seine Tätigkeit als Staatsanwalt während des Dritten Reiches eine große Rolle. Auch seine Schuldgefühle gegenüber den Opfern des Nazionalsozialismus hat er bisher nicht artikuliert. Seine Freunde kennen seine Vergangenheit, jedoch ist sie kein Gesprächsthema. Und seine Frau war bis zu ihrem Tod immer eine „Narzisse" geblieben. Somit trägt er schwer an seiner Schuld, fand jedoch bisher nie die Gelegenheit, diese aufzuarbeiten. Im Laufe seines Falles wird er jedoch mit seiner Vergangenheit konfrontiert und er muss sich endlich seiner Schuld un den daraus resultierenden Folgen stellen.
Aber nicht nur die Schuld Selbs hat Schlink hier thematisiert. Auch die nicht erfolgte Vergangenheitsbewältigung in der Deutschen Justiz sowie die Erfolgsstory eines Großkonzerns, der nach dem Ende des zweiten Weltkrieges einen kometenhaften und zunächst unerklärlichen Aufstieg erlebte, bindet Schlink gekonnt in seinen Erstling ein.
Herausgekommen ist für mich eine der interessantesten Figuren der neueren deutschen Kriminalliteratur. Das Debüt von Selb ist auf der ganzen Linie gelungen. Die Entwicklung der Geschichte, des Protagonisten und die Darstellung der Motivation des Bösewichts und Selbs sind gelungen dargestellt und glaubwürdig. Dass man sprachlich hier keine Höhenflüge erwarten darf, versteht sich von selber. Aber ich glaube nicht, dass Schlink die Intension hatte, ein neuer Musil oder Mann zu werden.

Das Hörbuch wird von Hans Korte so gelesen, wie ich mir die Stimme von Gerd Selb vorstellte: Einfach perfekt

Rezensent: Wolfgang Haan







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