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Floortje Zwigtman - Wolfsrudel

Floortje Zwigtman
Wolfsrudel


Gerstenberg Verlag, 2006
Gebunden
510 Minuten


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Kain oder Abel

Floortje Zwigtman - Wolfsrudel

Ion Brebu ist der Erzähler in Floortje Zwigtmans Roman „Wolfsrudel“. Er und seine Freunde Vulpe und Alexandru leben im 19. Jahrhundert in der Walachei. Sie haben genug vom dörflichen, ärmlichen Allerlei und der täglichen knochenharten Schufterei auf den Feldern. Sie streben nach Höherem. Doch für ungebildete, arme Bauernsöhne gibt es nur eine Art, reich zu werden – man wird Räuber. Diesen Weg ging schon Vulpes älterer Bruder Lupu. So schleichen sich eines Nachts die drei Freunde wie Diebe aus ihrem Heimatdorf und schließen sich Lupus „Bruderschaft der Wölfe“ an.
Das Aufnahmeritual ist erniedrigend und brutal: sie müssen sich Wolfsfelle und Holzmasken überziehen. Dann zwingt man sie, aus Fressnäpfen ein Zeugs zu schlabbern, dass „widerwärtig roch, nach fauligem Laub, Eiter, toten Tieren, das alles durcheinander. Die Flüssigkeit fraß sich wie flüssiges Feuer durch meine Speiseröhre bis tief in den Magen“ – es handelt sich um eine Art Droge. Diese versetzt sie in einen Rausch, in dem sie Dinge tun, „für die man sich im Nachhinein schämt. Aber wenn ich an das denke, was noch kommen sollte, dann schäme ich mich für diese Dinge noch am wenigsten.“

Die Freude über die Aufnahme in das „Wolfsrudel“ währt nicht lange. Vulpe erträgt zunächst geduldig die Bevormundung und schlechte Behandlung durch seinen Bruder. Als er in einem nahe gelegenen See eine versteckt liegende, scheinbar unbewohnte Insel entdeckt, die sich ideal als Räuberhauptquartier eignet, ist er sich sogar sicher, dass er in der Achtung seines Bruders steigen wird. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Lupu ist gegen einen Umzug und lässt sich nur auf Grund des Drucks der restlichen Bande umstimmen. Kurz darauf weiß Vulpe, warum sein Bruder gegen die Verlegung war: er und seine beiden Freunde entdecken ein sagenumwobenes Grab, dass Lupu schon lange Zeit sucht: hier könnte Vlad Teppes seine letzte Ruhestätte gefunden haben, besser bekannt als – Dracula. Als es ans Teilen der Beute geht, beansprucht Lupu als Hauptmann der Bande einen Großteil der Beute. Besonders, dass sein großer Bruder das Prachtschwert Draculas für sich beansprucht, macht ihn wütend. Bestärkt wird er noch in seinem Zorn durch einen Schafshirten, der auch auf der Insel lebt und zu seinem Ratgeber avanciert. Doch auch der zweite Bewohner der Insel, ein alter Einsiedler, beginnt sich mit orakelnden Aussprüchen in die Geschehnisse einzumischen und die Gedanken der drei Freunde zu verwirren. Keiner weiß, welche Ziele die Beiden wirklich verfolgen oder auf wessen Seite sie stehen. Nicht zuletzt wegen der Einflüsterungen der „Ratgeber“ beginnen die Ereignisse beginnen zu eskalieren. Vulpes aufgestaute Wut macht sich dadurch Luft, dass er eine eigene Räuberbande gründet, zu der ein Teil von Lupus alter Bande überläuft. Doch das reicht Vulpe nicht: der Hass auf seinen Bruder ist so stark, dass nur noch ein Gedanke sein Denken beherrscht: er will ihn töten – und das Schwert in seinen Besitz bringen.


Zwei Charaktere mit Kultcharakter


Floortje Zwigtmans Roman ist ein genial konstruiertes Drama von wahrhaft (alt)biblischem Ausmaß. Gewaltige Gefühle beherrschen die fesselnden Geschehnisse: ein klassischer Bruderzwist, ausgelöst durch Neid und Missgunst; Gewaltausübung in vielen Facetten; Blutopfer und die reinigende Kraft des Feuers sind nur einige Aspekte der in zwei Zeitebenen spielenden Geschichte. Ions Sohn xxx erzählt die Geschichte seines Vaters und damit der zwei Brüder. Parallel dazu erzählt Radu, Vlads Bruder, deren verhängnisvolle Geschichte, welche im 15. Jahrhundert spielt. Statt der Präsentation trockener geschichtlicher Daten malt die Schriftstellerin ein phantasievolles und –anregendes Bild: aus den beiden trockenen historischen Figuren werden zwei wagemutige, lebensechte Personen voller widerstrebender Gefühle; aus bloßen Jahreszahlen mitreißende Schlachten; aus der Abfolge von Thronfolgen Intrigen und hinterlistiges Taktieren. Sie erfindet Dracula nicht neu, doch völlig anders als alle bisherigen Schauerromane, in denen Dracula eine tragende Rolle spielt. Vampirismus kommt zwar im Buch vor, ist jedoch nur ein Nebenschauplatz, der erst am Ende des Romans eine Rolle spielt. Und selbst hier schafft es die Autorin, den Leser mit ihrer Variante und ihrem Sicht auf das Leben eines Vampirs dem Genre eine ungewöhnliche Komponente einzuverleiben. Diese Fähigkeit, aus bekannt Geglaubtem Neues zu schaffen, ist eine der großen Gaben der Autorin, die neben ihrer bildschaffenden und leichten Sprache als nächstes ins Auge fällt. Mit dieser seltenen Fähigkeit ist es ihr gelungen, zwei Figuren zu erschaffen, die Kultpotential haben. Und auch hier spielt die Autorin wieder gekonnt mit den Erwartungen des Lesers: es sind weder die Charakterpaare Vulpe/Lupu noch Radu/Vlad, die das Potential haben, Aufnahme in den Olymp der unsterblichen literarischen Figuren zu finden, sondern Ion/Alexandru könnte diese Ehre zuteil werden. Nun könnte man glauben, dieses Paar zeichne sich durch Rechtschaffenheit aus oder sei „Das Gewissen“ der Bande. Doch Floortje Zwigtman vermeidet die Gefahr, diese Beiden durch eine edle Gesinnung unglaubwürdig zu machen. Die Anziehungskraft von Ion und Alexandru resultieren u. a. aus den brillant dargestellten Wechselwirkungen von Opportunismus, Gruppenzwängen und vielfältigen unbestimmten Ängsten (die auch diabolisch-maliziös von den „Beratern“ geschürt werden) mit religiösen Betrachtungen, Verbundenheit mit alten Traditionen und Skrupeln vor der Skrupellosigkeit, der Verrohung, dem Tiersein – der Begriff des „Rudels“ mit all seinen Implikationen wird von der Autorin genussvoll seziert.
Romane wie dieser zeigen uns die Sinnlosigkeit der Frage: „Was würdest Du in meiner Situation tun?“ und führen uns zu der Erkenntnis, dass es „Die richtige Entscheidung“ nicht gibt. Viel wichtiger ist es, sich überhaupt zu entscheiden, diese Entscheidung zu akzeptieren und nicht Alternativen oder verpassten Gelegenheiten „hinterher zu heulen“. Und sollte sich die Entscheidung als Fehler herausstellen, dann auch den  Mut zu haben, diesen einzugestehen und daraus zu lernen. „Wolfsrudel“ kommt ohne plumpe Moral oder philosophisch-akademischen Betrachtungen daher. Stattdessen konfrontiert uns Floortje Zwigtman mit einer Kernfrage des Daseins und erteilt gleichzeitig wie nebenbei einen der besten Ratschläge, den man nicht nur Jugendlichen mit auf den Weg geben kann.
Der Gerstenberg Verlag spricht für diesen Roman eine Altersempfehlung „ab 15 Jahren“ aus. Diese ist auf Grund der geschilderten Ereignisse berechtigt. Dabei sind es nicht die wörtlichen Beschreibungen, die dieses Buch für jüngere Leser ungeeignet machen, sondern, im Gegenteil, die Dinge, die nicht beschrieben werden. Durch ihre oben beschriebenen literarischen Fähigkeiten erzeugt die Autorin sehr intensive Bilder, die u. U. zu einem unruhigen Schlaf führen könnten. Dies ist auch der Grund dafür, dass dieses Buch nicht in der Rubrik „Kinder- und Jugendbuch“, sondern bei „Bücher – Belletristik“ aufgeführt wird.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Ein historischer, ein phantastischer und ein sozialkritischer Roman, ein Vampirroman und große Literatur, spannend und verstörend zugleich – das ist Wolfsrudel. Und eine eindringliche Studie über Gewalt in der Geschichte und Gewalt in Jugendbanden – in den Niederlanden ein vieldiskutierter Bestseller.
Irgendwann im 19. Jahrhundert in der Walachei: Angewidert vom ärmlichen Dorfleben schließt sich Ion dem »Wolfsrudel« an: einer Bande jugendlicher Räuber, die auf einer verlassenen Klosterinsel Unterschlupf findet. In der Klosterkirche stoßen die Jungen auf ein altes Fürstengrab und plündern es. Es ist das Grab von Vlad Tepes, auch Dracula genannt. Über der Aufteilung der Beute kommt es zum Streit. Das Wolfsrudel teilt sich in zwei Banden, die sich von nun an bis aufs Messer bekämpfen. Zu der einen Bande, die von Lupu, dem brutalen »Wolf« , geführt wird, gesellt sich ein alter Einsiedler. Er wird ihr Ratgeber und manipuliert sie bald schon nach seinen Wünschen. Auch die Bande von Vulpe, dem schlauen "Fuchs", hat einen solchen Ratgeber, einen alten Schäfer. Nach und nach erfahren wir, dass der Schäfer und der Einsiedler keine anderen sind als die Wiedergänger des blutrünstigen Vlad Tepes und seines gerissenen Bruders Radu, die schon im 15. Jahrhundert in den brutalen Auseinandersetzungen zwischen Ungarn und Türken auf dem Balkan Gegenspieler waren. Sie haben um die Seelen der Jungen gewettet.
Ion ist entsetzt über den immer erbitterter geführten Kampf zwischen seinen alten Freunden. Er versucht, im Strudel der Gewalt nicht unterzugehen. Erschrocken spürt er auch in sich selbst die Lust am Bösen aufkeimen. Die einzige, die ihn vielleicht noch retten kann, ist die geheimnisvolle Mara …


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