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David Klass - Wenn er kommt, dann laufen wir

David Klass
Wenn er kommt, dann laufen wir


Jumbo, 2007
Anzahl CDs 4
Laufzeit in Minuten: 312
gekürzte Lesung

Booklet
- Infogehalt: Durchschnittlich


Lesealter: ueber 12

Sprecher: Hans Lw

Hoerprobe 1 (mp3, 1.5 MB)

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Auf Troy und Glauben

David Klass - Wenn er kommt, dann laufen wir

Gibt es in Ihrem Leben auch eine Person, die Sie am liebsten gar nicht kennen (gelernt haben) möchten und dessen Existenz Sie allen anderen gegenüber verschweigen? Im Leben des 17-jährigen Jeff existiert eine solche Persona non grata – sein Bruder Troy, der vor einigen Jahren einen Mitschüler ermordete und zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Nach dem Mord hat die Familie den Kontakt zu Troy abgebrochen; in der Familie ist es ein Tabu, über Troy zu reden. Warum auch – man wird sich mit dem Thema beschäftigen, wenn Troy entlassen wird – wenn er denn irgendwann entlassen wird. Wie eine Bombe schlägt da sechs Jahre nach der Tat die Nachricht ein, dass der verlorene Sohn vorzeitig aus der Haft entlassen wird. Und Jeffs absolute Horrorvision tritt ein: Troy wird bei seiner Familie einziehen. Und genüsslich Da sie doch eine Familie sind und sie sich etwas auseinander gelebt haben, möchte er nun so nah wie möglich bei seiner lieben Familie sein.

Zwei Gegensätze bestimmen das an ethischen und moralischen Grundfesten rüttelnde Buch: Troy, für den Gewalt das Mittel der Wahl ist. Und Jeff, der Konfrontationen ausweicht und versucht, Probleme verbal zu lösen. Als er einmal einer gewalttätigen Situation nicht ausweichen kann und unter dem Gelächter von Mitschülern zu Boden geht, ist es Troy, der ihm, ungebeten, zur Seite steht. Und seinem kleinen Bruder mit einigen gezielten Faustschlägen aus der Bredouille hilft. Obwohl er seinen Bruder dafür hasst, ihm zur Seite gestanden zu haben, kann er nicht umhin, seine Kampftechnik, Behändigkeit und Effektivität zu bewundern. Troy ist kein Psychopath, der wahllos Gewalt anwendet. Stets hat er, zumindest in seinen Augen, einen Grund dafür. Eiskalt analysiert er seine Mitmenschen, findet ihre Schwachstellen, und setzt dort gnadenlos an: ohne Skrupel, ohne Mitleid, ohne Gnade manipulier er jeden in seiner Umgebung, wenn es ihm nur nutz. Und wenn ihm jemand in die Quere kommt, Gnade ihm Gott, denn Troy hat dieses Wort aus seinem Vokabular gestrichen.

Jeff ist nicht der klassische Loser, auf dem die ganze Klasse ständig rumhakt oder der allseits bekannte Außenseiter. Er ist eher unscheinbar, geht in der Masse unter. Obwohl Troy nicht gerade als Sympathieträger vom Autor dargestellt wird, verführt David Klass den Hoerer dazu, die gleiche Hassliebe zu ihm zu entwickeln wie Jeff – wie alle „Großen“ Bösen der Weltliteratur wirkt Troy abstoßend und faszinierend, ja anziehend zugleich. Der zurückliegende Mord an einem Klassenkameraden wird zwar als Haftgrund erwähnt; allerdings mehr oder weniger in einem klitzekleinen Absatz abgehandelt. Dies führt unbewusst dazu, dass man diese Tat gleichfalls an den Rand des Gedächtnisvermögens verdrängt. Im Heute ist Troy wieder der große Bruder, der alles für Jeff regelt – und alles geregelt bekommt, wenn auch auf die harte Tour. Die manipulative Wirkung des Romans, die David Klass gekonnt aufbaut, zieht den Hoerer langsam aber sicher auf die Seite des Stärkeren. Hat nicht schon Darwin in der Evolutionstheorie dargelegt, dass nur die Starken überleben? Troy ist der lebende Beweis. Trotz Haft, trotz der brutalen Erlebnisse, über die er nie spricht, gleichwohl aber andeutet, kommt er nicht als gebrochener Jugendlicher nach Hause; sondern als knallharter Stratege. Ist Gewalt doch eine Lösung?

Diskrepanzen ziehen sich durch den gesamten Roman. Und gleich zu Beginn des Hoerbuches gibt es einen erheblichen Widerspruch zwischen Erzähltem und Erzählton: Jeff erzählt von seiner bildhübschen Freundin, in die er bis über beide Ohren verliebt ist und davon, dass er es immer noch nicht fassen kann, dass sie sich gerade für ihn entschieden hat. Doch statt der zu erwartenden Hochstimmung klingt Jeff, und damit Hans Löw, schon fast depressiv. Doch als der Hoerer den Grund für seine miese Stimmung erfährt (siehe oben), wundert es uns fast, dass Jeff nicht das heulende Elend hat. Kurz danach erreicht das Hoerbuch den ersten, sowohl vom Autor als auch vom Sprecher, hervorragend gesetzten ersten Höhepunkt: Der Vater von Jeffs Freundin verbietet ihnen jeden Umgang. Jeff verarbeitet auch dies; aber man kann Hans Löw förmlich verbissen mit den Zähnen knirschen hoeren. Auch den weiteren spannenden Verlauf der Geschichte, der hier nicht weiter erzählt werden soll, weiß Herr Löw professionell hoerbar zu machen. Besonders erwähnenswert ist, dass er es auf fast unnachahmliche Weise schafft, den herablassenden Zynismus Troys gegenüber seinem, durch Angst und Hilflosigkeit, paralysiert wirkenden, in ohnmächtigem Schweigen verharrenden kleinen Bruders, deutlich herauszustellen.

Ja wo laufen Sie denn?

Eins ist noch unbedingt erwähnenswert: gäbe es von Hoeren-undLesen.de einen Übersetzerpreis für „die phantasievollste Adaption eines Buchtitels in die Deutsche Sprache“ - nennen wir ihn der Einfachheit halber „Der gekrümmte Federkiel“ - ,läge es im Bereich des Möglichen, dass „Wenn er kommt, dann laufen wir“ für diese Kategorie nominiert werden würde, lautet der Originaltitel doch „Dark Angel“. Nun könnte man den Titel ja noch verstehen, wenn im Roman ständig gelaufen, gerannt, gehetzt oder geeilt würde – doch weit gefehlt. Weder Erzähltempo noch Bewegungsabläufe verlaufen anders als vom Hoerer gewohnt. So bleibt am Ende des Romans zumindest ein Rätsel offen, das auf seine Lüftung wartet.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Gibt es wirklich so etwas wie Gut und Böse?"
Ich dachte an Troy. Troy in meinem Haus, in dem Zimmer direkt unter mir. Troy, der mir jeden Abend am Esstisch gegenübersaß und lächelte. Das Böse existierte nicht nur - es hatte sich in unserem Haus eingenistet.

Als Troy vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird, glaubt sein Bruder Jeff nicht an Läuterung.

Der Schauspieler Hans Löw leiht Jeff seine Stimme und spinnt die Zuhörer in ein Netz von finstersten Ahnungen und schmerzlich klaren Gedanken ein.
"Wenn er kommt, dann laufen wir" wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Das gleichnamige Buch ist im Arena Verlag erschienen.



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