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Viktor E. Frankl - Trotzdem Ja zum Leben sagen

Viktor E. Frankl
Trotzdem Ja zum Leben sagen


Deutsche Grammophon, 2007
Anzahl CDs 2
Laufzeit in Minuten: 150

Booklet
- Infogehalt: Hervorragend

Sprecher: Martin Schwab

Hoerprobe 1 (mp3, 0.6 MB)
Hoerprobe 2 (mp3, 1.2 MB)

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Kaleidoskop des Grauens

Viktor E. Frankl - Trotzdem Ja zum Leben sagen

Völlig zu Unrecht weitestgehend unbekannt außerhalb seines Tätigkeitsfeldes besinnt man sich nun wieder auf einen der herausragendsten Köpfe auf dem Gebiet der Psychotherapie: Viktor E. Frankl. Anlässlich der 10. Jährung seines Todestages am 02. September ist bei Deutsche Grammophon Literatur sein in den 50-iger Jahren des letzten Jahrhunderts Aufsehen erregendes Werk „. . . trotzdem Ja zum Leben sagen“ erschienen. In diesem berichtet der Autor vom Leben, Überleben und Sterben im Konzentrationslager.

Was dieses Buch signifikant von anderen Berichten von Holocaust-Überlebenden unterscheidet, ist die Tonart seiner Prosa. Frankls Betrachtungen sind weitestgehend in strikt wissenschaftlichem Ton gehalten; Emotionen spielen kaum eine Rolle. Allenfalls in den ersten Momenten des Buches, als er über seine Gründe spricht, dieses überhaupt publiziert zu haben sowie die Möglichkeiten, die erste Selektion zu überleben, streicht ein emotionaler Hauch durch den Text. Dieser zieht sich allerdings nur bis zur fast geseufzten, traurigen Äußerung hin, dass es nicht unbedingt die Besten waren, die das Lager überlebt haben (eine ähnliche Ansicht äußert übrigens auch der Autor Georges Frister in seinem Buch „Die Mütze oder der Preis des Lebens“, welches zu einer hitzig geführten Diskussion führte).
Der bewusst gewählte Blickpunkt Frankls des rein wissenschaftlich interessierten Psychologen steht deutlich in der Tradition Dostojewskis, der mit seinem Buch „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“ durchaus als Begründer dieser Art von Literatur gelten kann.
Und doch kann gerade der nüchterne Ton von „…trotzdem Ja zum Leben sagen“ zu einer nicht unerheblichen Irritation beim Hoerer führen, kennt man doch als geschichtsbewusster Deutscher aus zahlreichen Dokumentationen die Bilder aus den Vernichtungslagern, die niemanden unberührt lassen dürften.
Unwillkürlich stellt mach sich die Frage, wie ein Mensch, der all die wissenschaftlich beschriebenen Phänomene am eigenen Leib erfährt, derart distanziert psychologisieren kann. Die seelischen Qualen, denen er stündlich ausgesetzt gewesen sein muss; die unmenschlichen Anstrengungen, die er unternommen haben muss, die Todesgefahr, der er ständig ausgesetzt war, zu theoretisieren, sind unvorstellbar und potenzieren sich nochmals, wenn man bedenkt, dass seine gesamte Familie in Lagern interniert waren und ermordet wurden. Antworten erhält man im vorgenannten Hoerbuch nur sehr vage und explizit zwischen den Zeilen versteckt.


Die wissenschaftliche Absicht des Autors im Hinterkopf wahrend, ist es nur natürlich, dass sich auch der Sprecher Martin Schwab eines weitestgehend sachlichen, aber auch gefühlvoll abwägenden Vortragstones bedient. Dabei verfällt er Gott-Sei-Dank nicht in den langweiligen, einschläfernden Ton eines vor sich hinleiernden Dozenten. Stattdessen wahrt er die vom Autor geforderte wissenschaftliche Distanz zum Erzählten, gestaltet die Stimmlage in dem vom Autor geforderten Rahmen. Wegen seiner unbestrittenen Professionalität gelingt ihm dies immer. So scheut er sich nicht, von dem Konzept der sachlichen, aber nicht desto Trotz gefühlvoll abwägenden Vortragsweise ab zu weichen, wenn sich Frankl zu einer seiner seltenen emotionalen Äußerungen hinreißen lässt. Gerade diese Stellen sind es, bei denen man merkt, dass Frankl seinem eigenen Anspruch nicht gerecht werden kann; es scheint, als ob das Schreiben eines wissenschaftlichen Werkes ein Teil seiner Überlebensstrategie war. Deswegen sind seine Theorien nicht abstrakt oder aus „vom Hörensagen“ konstruiert. Jede seiner Thesen beruht auf eigenen Erlebnissen. Und diese beschönigt er nicht oder lässt Details aus, um sich selber zum Helden zu glorifizieren. All diese signifikanten Facetten hat Frankl in sein Buch einfließen lassen. Und Martin Schwabs Lesung lässt den Hoerer Anteil nehmen an all den zersplitterten Gefühlsregungen und setzt diese durch gekonnte Hervorhebungen in Szene, so dass sich die feinen Bruchstücke zu einem, wenn auch düsteren, Kaleidoskop der Grausamkeiten zusammensetzt.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

„Frankl will in seinem Buch nicht Mitleid erregen oder Anklage erheben. Noch weniger geht es um die Situation des Grauens. Sein Buch soll und kann vielmehr Kraft zum Leben geben.“ Bis zu seinem Lebensende war er ein Verfechter der Ansicht, „dass vor allem Versöhnung einen sinnvollen Ausweg aus den Katastrophen des Weltkrieges und des Holocaust weisen könne.“
Martin Schwab war ein enger Freund von Viktor Frankl und sich dessen Prinzipien deutlich bewusst. Dies schlägt sich deutlich in seinem Vortrag nieder und führt dazu, dass dieses Hoerbuch noch lange nach dem Hoeren des letzten Tones im Kopf des Hoerers nachhallt und die von Viktor E. Frankl beabsichtigte Wirkung zeitigt.



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