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John Boyne - Der Junge im gestreiften Pyjama

John Boyne
Der Junge im gestreiften Pyjama


Argon Verlag, 2007
Anzahl CDs 4
Laufzeit in Minuten: 313
ungekürzte Lesung

Lesealter: ueber 12

Sprecher: Ulrich Matthes

Leseprobe 1 (pdf, 0.1 MB)

Hoerprobe 1 (mp3, 1.4 MB)
Hoerprobe 2 (mp3, 2 MB)

Bestellen bei amazon.de

Furor in Aus-Wisch

John Boyne - Der Junge im gestreiften Pyjama

Zwei neunjährige Jungen, Bruno und Schmuel, treffen sich und schließen Freundschaft. Dies wäre nicht weiter ungewöhnlich, wäre nicht Aus-Wisch der Ort, an dem Beide leben – jeder auf der anderen Seite eines durch Stacheldraht und Starkstrom gesicherten Käfigs: auf der einen Seite der Sohn einer Nazigröße, auf der anderen ein polnisches Kind jüdischer Abstammung. Doch es wird nicht nur die tragische Geschichte einer Freundschaft erzählt. Auch der Zerfall der vierköpfigen Familie, bestehend aus den Eltern sowie Bruno und seiner Schwester Gretel, ist Bestandteil der Geschehnisse. Als literarisches Mittel lehnt sich Boyne an die klassische Form des Märchens an. Ein „Belehrungsfaktor“ ist gegeben. In zwei Punkten weicht er allerdings vom Vorbild ab: Bruno macht nicht die gewohnte, zum glücklichen Ende führende Wandlung durch – und der Roman endet in einer Katastrophe.

Bei den Namen der beiden Kinder in John Boynes Jugendbuch „Der Junge im gestreiften Pyjama“, Bruno und Gretel, assoziiert man unwillkürlich die Figuren Hänsel und Gretel aus Grimms gleichnamigem Märchen.

In gewissem Maße gibt es Parallelen, aber auch bewusste Brechungen und Umkehrungen: die Kinder im Märchen werden von den Eltern in den Wald verschleppt, um dort zu verhungern; in Boynes Roman führt das passive Verhalten der Eltern, speziell des Vaters, zur Vernichtung der Kinder; im Falle seines Sohnes wörtlich, seiner Tochter emotional.
Seines Vaters, vom Furor persönlich befohlenem, Karrieresprung zum Lagerleiter von Aus-Wisch, also passiv und von außen ausgelöst, bedingt den Umzug der Familie vom leuchtenden Berlin ins verdorrte Ödland rund um Aus-Wisch.

Rettet im Märchen Hänsel sein Leben dadurch, dass er der Hexe Verhungern vortäuscht, ist in „Der Junge im Pyjama“ Abmagerung und fallende Arbeitsleistung das sichere Todesurteil.

Greift die ihren Bruder liebende Gretel im Märchen ein, um ihn aus seinem Käfig zu befreien, so interessiert sich Gretel bei Boyne keinen Deut um ihren Bruder sondern verliebt sich, im Gegenteil, in einen Büttel des Furors.

Wird im Märchen „Das Böse“ in Form der Hexe verbrannt, gibt es für die in dem mit Stacheldraht und Starkstrom gesicherten Käfig kein Entrinnen; es sind die Insassen, die getötet und verbrannt werden – es sind „Die Bösen“, die obsiegen.

Wie vom zweimaligen „Schauspieler des Jahres“ Ulrich Matthes gewohnt, versinkt er völlig in der Interpretation seiner Figuren. Anfänglich spricht er Boris als störrischen, doch unterwürfigen Neunjährigen; der Vater klingt dominant, die Mutter hingegen devot. Gretel altersgemäß abgeklärt, pubertär-forsch, ihres Bruders überdrüssig und frisch verliebt.
Seine Erzählerstimme lässt den Hoerer/Leser anfänglich noch Distanz wahren, verliert diese jedoch im Laufe der Tragödie. Bis auf den Vater, ausgeschlossen den endlichen Klimax, machen alle drei Figuren eine emotionale Wendung durch: die Mutter wird streitsüchtiger, Bruno aufsässig und widerspruchsfreudig und Gretel wandelt sich von der liebevollen Tochter/Schwester zur Heldenverehrerin.
Da Bruno im Mittelpunkt der Erzählung steht, richtet Ulrich Matthes auch seinen sprecherischen Focus auf diesen, ohne allerdings die anderen Figuren zu vernachlässigen. Besonders erwähnenswert ist hier die herausragende Vertonung einer Nebenfigur: in einer Szene gibt es ein längeres Streitgespräch zwischen Brunos Eltern und seinen Großeltern. In dessen Verlauf erfährt man von der unterschiedlichen Couleur der beiden „Parteien“. Die Gefühle von Brunos Großvater reichen von kurz aufflackernder Liebe bis Abscheu gegenüber Brunos reaktionärem Vater. Und Ulrich Matthes spricht diese Rolle mit solcher Verve, dass man für einen winzigen Augenblick vergisst, dass Brunos Vater gnadenlos sein Vernichtungssoll als Lagerleiter erfüllt – er wird in diesem kurzen Moment nicht gerade sympathisch, sondern eher selber wieder zu einem kleinen Jungen, der vor seinem Vater steht und für einen Streich gerade stehen muss und dem als Ausrede nur einfällt: “Ich musste mitmachen, ich hatte keine andere Wahl – alle anderen machen ja auch mit!“ Nur dass sein Streich und Konformismus viele Menschenleben kostet.

Manche Kritiker haben Boyne vorgeworfen, sein Konstrukt von Aus Wisch sei realitätsfremd. Aber: beim Lesen/Hoeren darf man, obwohl natürlich die Gefahr besteht, niemals vergessen, dass Boyne eine literarische, künstliche Welt erschafft. In seiner Konstruktion steht nicht jeder Zentimeter Zaun unter Starkstrom; in dieser gibt es unbewachte Abschnitte des Geländes; eine winzige Lücke im Zaun ist möglich und in dieser ist es möglich, dass sich zwei ungefähr gleichaltrige Jungen stundenlang ohne Störung durch Wachpersonal unterhalten können; Gretel ist noch nicht kaderisiert, Bruno nicht HJ gleich geschaltet. Boyne will nicht die uns bekannte Welt bzw. Historie beschreiben, denn ohne die literarische Freiheit, die er sich nimmt, würde der Roman nicht funktionieren.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Argon Verlag:

Berlin 1942: Als Bruno eines Tages nach Hause kommt, werden gerade alle seine Habseligkeiten in Kisten verpackt. Sein Vater wurde befördert und die Familie muss umziehen, an einen weit entfernten Ort, wo es niemanden gibt, mit dem er spielen kann. Ein hoher Zaun trennt ihn von den seltsamen Menschen in gestreiften Anzügen in der Ferne. Aber Bruno beschließt, dass es mehr an diesem verlassenen Ort geben muss, als es den Anschein hat. Er trifft auf einen Jungen, dessen Lebensumstände ganz anders als seine eigenen sind. Die beiden Jungen freunden sich an -- und das hat Folgen.

Das Buch ist in 28 Ländern erschienen und wird gerade von Mark Herman (›Little Voices‹ und ›Brassed Off‹) verfilmt. 

Fischer Verlag:

Der neunjährige Bruno weiß nichts von der Endlösung oder dem Holocaust. Er ist unberührt von den entsetzlichen Grausamkeiten, die sein Land dem europäischen Volk zufügt. Er weiß nur, dass man ihn von seinem gemütlichen Zuhause in Berlin in ein Haus verpflanzt hat, das in einer öden Gegend liegt, in der er nichts unternehmen kann und keiner mit ihm spielt. Bis er Schmuel kennenlernt, einen Jungen, der ein seltsam ähnliches Dasein auf der anderen Seite des angrenzenden Drahtzauns fristet und der, wie alle Menschen dort, einen gestreiften Pyjama trägt. Durch die Freundschaft mit Schmuel werden Bruno, dem unschuldigen Jungen, mit der Zeit die Augen geöffnet. Und während er erforscht, wovon er unwissentlich ein Teil ist, gerät er unvermeidlich in die Fänge des schrecklichen Geschehens.



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