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Craig Russell - Blutadler

Craig Russell
Blutadler


Sonstige, 2000
Anzahl CDs 6
Laufzeit in Minuten 400
gekürzte Lesung
Sprecher: David Nathan


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Keine Verpackungslüge

Craig Russell - Blutadler

Im Traum erscheint Hauptkommissar Fabel ein Engel in einer eleganten grauen Chaneljacke. Er erkennt sie sofort: es ist Ursula Kastner! „Ihre blutleeren grauen Lippen [passend zur Farbe ihrer Jacke] formten die Worte: Warum haben Sie ihn nicht gefasst? Einen Moment war Fabel verwirrt … weil er ihre Stimme nicht hören konnte [Ist aber auch nicht zwingend erforderlich – er hat ihre Worte ja bereits von den Lippen abgelesen] Dann begriff er: Der Grund war natürlich, dass man ihr die Lunge herausgerissen hatte und sie keinen Atem besaß, der ihre Worte hätte tragen können…“

Noch kurz zur Erklärung des Begriffes „Engels“: Der Ermordeten wurde bei lebendigem Leib der Oberkörper geöffnet, die Rippen nach außen gebogen und die Lungenflügel über die Schultern auf den Rücken gehängt. Dies ist das heidnische Ritual des Blutadlers. Die so genannten „Odinisten“ glauben, dass das Opfer dann sofort mit diesen Flügeln zu Odin fliegt.

Hoffentlich wurde ihnen jetzt nicht gleich übel, denn das o. g. Zitat stammt aus Seite 13 des 412 Seiten starken Debütromans „Blutadler“ des schottischen Autors Craig Russell. Und der Name des Romans ist Programm. Wenige Seiten später wird die Leiche von „Monique“ aufgefunden. Hier beschränkt sich der Autor dann nicht mehr nur auf die Beschreibung der Jacke sondern liefert eine detaillierte Tatortbeschreibung. Dabei beweist er literarisches Geschick und wiegt den Leser erst in trügerischer Sicherheit, nur um ihn dann umso grausamer aus dieser heraus zu reißen:

„… es war, als wäre der kurze Flur unlängst gestrichen worden. Die Farbe erinnerte an helle Butter: freundlich, doch fade, neutral, anonym… Eine Explosion von Rot. Scharlachrote Strahlen waren auf das Bett … gespritzt. Das Bett selbst war von dunklem, klebrigem Blut durchtränkt, und sogar die Luft schien von seinem Kupfergeruch gesättigt zu sein… Jemand hatte ihr gleichzeitig den Brustkorb aufgeschlitzt und die Rippen nach außen gezerrt…“

Das Grauen kommt nach Deutschland

Zwei Dinge könnten einem kritischen Hörer sofort in den Gehörgang fallen: Zum einen ist Kommissar Fabel mit übernatürlichen Gaben ausgestattet, denn er kann nicht nur die Farbe, sondern auch die Beschaffenheit des Blutes sehen, welches „klebrig“ ist. Und der Täter muss mindestens drei Hände haben, weil er gleichzeitig schlitzen und zerren kann.

Vermutlich zur Freude vieler Hörer spielt dieser Thriller endlich einmal in Deutschland. Trieben doch bisher die so beliebten Serien- und Ritualkiller größtenteils ihr Unwesen in Amerika, England und Skandinavien, tummelt sich jetzt einer in Deutschland. Und wo ist die Sünde am umtriebigsten? Richtig! In Hamburg - und so spielt der Plot folgerichtig dort. Hamburg, schon seit je der Aufgabenkreis von Fahnder Faber. Nein, falsch „Der Fahnder“ Faber war ja eine TV-Serie, die im Ruhrgebiet spielte.

Also Homo Fabel und sein Chef Van Veeteren; ups das ist eine Figur von Hakan Nesser; also Fabel und sein Chef van Heiden setzen alles daran, den Mörder zu finden. Doch als wären dies nicht genug Probleme, muss er sich auch noch um einen drohenden Bandenkrieg zwischen türkischen und slawischen Gangs kümmern.

Geschichtsbewusstsein

Doch neben der spannenden Geschichte lässt der Autor auch meisterhaft historische Aspekte in die Handlung einfließen. Fabel ist studierter Historiker und sein ehemaliger Lehrmeister Dorn bestellt ihn zu sich, um ihm wichtige Informationen über heidnische Riten zukommen zu lassen, die der Mörder evtl. zu kopieren scheint. Doch bevor der Professor zur Sache kommt, hält er einen kleinen Vortrag, der folgendermaßen beginnt: „Der Begriff der deutschen Identität ist ein Mythos. Ein Mythos, den unser kleiner österreichischer Anstreicher zu einer falschen Geschichte ausweitete… Eine der wichtigsten Lektionen, die ich als Historiker gelernt habe, ist die, dass nur die Gegenwart existiert …“ Wurde erwähnt, dass das vorgenannte Gespräch von allen möglichen Orten ausgerechnet in der Justizvollzugsanstalt Vierlande stattfindet? Diese Justizvollzugsanstalt befand sich bis 28.02.2005 auf dem Gelände des ehemaligen KZ Neuengamme und teilte es sich mit der KZ-Gedenkstätte.

Wenn man sich nicht an solchen Kleinigkeiten wie den oben aufgeführten stört, ist „Blutadler“ durchaus hörenswert. David Nathan, unter anderem Synchronsprecher von Christian „Batman“ Bale, versucht, dem Plot eine weitere Dimension zu verleihen. Gelang ihm dies beispielsweise bei „Der Flüsterer im Dunkeln“ hervorragend, ist seine Lesung diesmal nicht ganz so gelungen. Teilweise hat man das Gefühl, als würde er die Luft anhalten, sich „aufblasen“ um seiner Stimme so mehr Bass zu verleihen. Leider misslingt dies nicht nur sondern klingt merkwürdig. Ansonsten ist an der Lesung nichts auszusetzen. Sie bewegt sich im Rahmen dessen, was ein professioneller Sprecher aus solch einem Stoff heraus zu holen vermag und stellt Liebhaber dieses Genres mit Sicherheit zufrieden.

Dieser Roman unterscheidet sich in Nichts vom Aufbau ähnlicher massenkonformer Beststeller und eignet sich insbesondere für einen stürmischen, regnerischen Abend, den man alleine in seiner abgedunkelten Wohnung verbringt. Allerdings auch nicht für mehr, denn wenig mehr Zeit dauert die Lektüre und hinterlässt wohl kaum einen bleibenden Eindruck beim Hörer.

Damit dürfte dieses Hörbuch die besten Aussichten für einen Platz auf den Bestsellerlisten ausweisen.

Fazit: Brutal bis ekelhaft, dunkel und düster präsentiert sich dieser Roman. Für alle Freunde von Mo Hayder, Karin Slaughter oder ähnlichen Autoren eine klare Empfehlung.

Rezensent: Wolfgang Haan







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