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 - Das letzte Tabu

Wolfram Wette, Detlef Vogel (Hrsg.)
Das letzte Tabu
NS-Militärjustiz und Kriegsverrat

Aufbau Verlagsgruppe, 2007
Gebunden
507 Seiten


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Forschungsdefizit im deutschsprachigen Raum

Wolfram Wette, Detlef Vogel (Hrsg.) - Das letzte Tabu

Im Zeitraum von August 1939 – Februar 1945 verhängte alleine der Reichsgerichtshof 1089 Todesurteile, von denen 1049 vollstreckt wurden – unzählige kamen in den letzten Monaten des Nazireiches hinzu.
Nur in der Zeit von 1942 an verurteilte der Vorsitzende des Volksgerichtshofes, Roland Freisler, 4951 Menschen zum Tode; unter ihnen die Angehörigen der Weißen Rose sowie viele der Offiziere des Putsches vom 20. Juli 1944. Viele dieser Todesurteile lag der Anklagepunkt des Kriegsverrates zu Grunde. Eines „Begriffes, den heute niemand mehr kennt. Das kann nicht verwundern, ist er doch seit 1945 aus dem deutschen Wortschatz verschwunden, und zwar sowohl in juristischer als auch historisch-politischer Terminus.“ Mit diesem Satz beginnt „Das letzte Tabu – NS-Militärjustiz und Kriegsverrat“; eines aufrüttelnden Buches, dass letztendlich Bürger und Politiker auf ein bis heute noch nicht verarbeitetes Kapitel des National-Sozialistischen Unrechtsstaates hinweisen will. Doch außer der sachlichen Auseinandersetzung mit diesem heiklen Thema liegt den Herausgeber noch ein weiteres Ziel am Herzen: sie kämpfen mit diesem Buch für die Rehabilitation der zu Unrecht verurteilten Menschen.

„Wer im Inland oder als Deutscher im Ausland es unternimmt…. der Kriegsmacht Vorschub zu leisten…“ - so abstrakt wird der Begriff „Kriegsverrat“ formal juristisch korrekt definiert.
Im Kommentar von Erich Schwinge, 1936 (1. Auflage) und 1944 (6. Auflage), „dem „einflussreichsten zeitgenössischen Interpreten des Militärstrafgesetzbuches“ führt dieser zur Begriffsbestimmung des „Vorschub leisten“ aus:

Entweichenlassen von Kriegsgefangenen
Begünstigung der Flucht
Pazifistische Propaganda
Störungen des Wirtschaftslebens
und seit der Kriegserklärung an Russland genügt jegliche Unterstützung der Ziele des Bolschewismus

Das zu verhängende Strafmaß ist immer gleich: „stets die Todesstrafe“.

Obwohl die Beispiele im Kommentar schon etwas deutlicher erklärt sind, lassen sie doch einen geraumen Spielraum – was natürlich beabsichtigt war und in heutigen Gesetzestexten immer noch Usus ist. Um dem Leser eine konkrete Vorstellung dessen zu geben, welche Delikte zur Verurteilung zur Todesstrafe führten, haben Ricarda Berthold und Detlef Vogel Pionierarbeit in diesem im deutschsprachigen Raum kaum beachteten Bereich der NS-Militärjustiz geleistet und veröffentlichen die vollständigen Anklageschriften von fast vierzig verhandelten Fällen aus der Vielzahl der verfügbaren Urteile als Beispiel.

Im gesamten Text des Buches ist eine Vielzahl weiterer beispielhafter Feldurteile, Lebensläufe etc., enthalten, welche zur Plastizität des jeweiligen Sachverhaltes eingesetzt werden. Dadurch erreichen die Herausgeber, dass sich für den Leser ein schlüssiges, umfassend und, trotz der Komplexen juristischen Feinheiten, ein leichtverständliches, aber nicht leichtverdauliches, Gesamtbild ergibt. Resultierend aus all diesen Einzelkomponenten ergibt sich, dass dieses Sachbuch sowohl für den interessierten, juristisch nicht vorgebildeten „Laien“ als auch für Studenten und/oder Historikern eignet, die sich mit dem NS-Justizapparat auseinander setzen. Und es bleibt nur zu hoffen, dass der eine oder andere Politiker dieses Buch zum Anlass nimmt, sich intensiver mit der Thematik „Kriegsverrat“ auseinander zu setzen. Und vielleicht führt dies sogar zu einer Trendwende bei der Betrachtungsweise der Feldurteile und Anklageschriften.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Unrechtsurteil "Kriegsverrat"
Im Mai 2002 rehabilitierte der Deutsche Bundestag pauschal die Deserteure der Wehrmacht, "Kriegsverräter" sparte er aus. Die hier dokumentierten 33 Urteile der NS-Militärjustiz schaffen die Voraussetzung für eine sachgerechte Aufarbeitung eines längst überfälligen Themas.
Die meisten der wegen Kriegsverrats verurteilten Wehrmachtsoldaten waren kleine Leute in Uniform, die, ähnlich wie die Kriegsdienstverweigerer, Deserteure und Wehrkraftzersetzer,Widerstand gegen Hitler und den Vernichtungskrieg zu leisten versuchten. Einige von ihnen gingen in bewaffnete Widerstandsgruppen, andere fielen durch oppositionelle Gesinnung auf. Eine Kollaboration mit den Kriegsgegnern Deutschlands war den wenigsten möglich. Nicht selten entstand das Delikt "Kriegsverrat" erst in den Köpfen der Kriegsrichter: Sie konstruierten aus widerständigen Handlungen eine Begünstigung des Feindes. Vielfach reichte zu einem Todesurteil, wenn einer Kommunist, Sozialist oder Pazifist war und Kriegsgefangenen oder Juden geholfen hatte. Warum wurden sie bis heute nicht rehabilitiert?


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