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Kate DiCamillo - Die wundersame Reise des Edward Tulane

Kate DiCamillo
Die wundersame Reise des Edward Tulane


Hörcompany Verlag, 2006
Anzahl CDs: 2
Laufzeit in Minuten: 140
gekürzte Lesung

Lesealter: bis 8

Sprecher: Stefan Kurt
Illustrator: Bagram Ibatoulline

Hoerprobe 1 (mp3, 2 MB)
Hoerprobe 2 (mp3, 1.9 MB)

Bestellen bei amazon.de

Ein märchenhaftes Buch

Kate DiCamillo - Die wundersame Reise des Edward Tulane

Vielen Kinderbuchfreunden ist der Hase Felix ein Begriff; neugierig, liebevoll, vorurteilsfrei und immer zu einer Entdeckungsreise bereit. Bisher haben ihn seine Reisen in viele fremde Länder geführt. Dabei hat er viel erlebt und gelernt und viele Freunde gewonnen. Doch bei allem Spaß, den er auf seinen Ausflügen hatte, ist für ihn Sophie, seine „Besitzerin“, das wichtigste auf der ganzen Welt. Ihr schreibt er lange Briefe und zu ihr kehrt er immer wieder zurück. Allerdings ist er auch schon ein bisschen mitgenommen – er ist halt ein Spielzeug, das geknuddelt und mit dem gespielt wird.


Ganz anders der fast ein Meter große Hase in Kate DiCamillos Roman „Die wundersame Reise des Edward Tulane“. Er ist ein richtiges Prachtstück aus feinstem weißen Porzellan, mit Ohren und Stummelschwänzchen aus echtem Fell – und einem Gefühlsleben, das genauso kalt ist wie dieses, ohne jedoch dessen fragile Zerbrechlichkeit. Hier liegt der Vergleich mit robustem, schier unzerstörbarem Steingut näher.

Jeden morgen, nachdem seine Puppenmutter Abilene sich selber angekleidet hat, zieht sie Edward feinste Seidenanzüge und maßgeschneiderte Schuhe an. Als krönenden Abschluss setzt sie ihm noch einen Hut auf, der extra Öffnungen für die beiden langen Ohren hat, setzt ihn ans Fenster und legt ihm seine goldene Taschenuhr an, damit er genau weiß, wann Abilene aus der Schule nach Hause kommt. Jeden Abend vor dem schlafen gehen flüstert Abilene Edward noch zu, wie sehr sie ihn liebt.

Doch Edward schert das nicht. Er kennt nur die Eigenliebe. Andere sind im völlig egal. Selbst als Abilenes Großmutter Pellegrina als Warnung die Geschichte einer Prinzessin erzählt, die nicht lieben kann und letztendlich deswegen sterben muss, macht er sich deswegen keine Gedanken. In dieser Nacht flüstert ihm Pellegrina ins Ohr: „Ich bin enttäuscht von dir!“

Etwas später reist die Familie mit dem Schiff nach England und auch Edward geht mit an Bord. Während der Reise fällt er über Bord – oder hat ihn Pellegrina, die alte Hexe, verflucht? Während des Falles fragt er sich: „Kann ich ertrinken? Und habe ich meinen Hut noch auf?“ Am meisten ärgert ihn, als er bei einem letzten Blick auf das davon fahrende Schiff in Abilenes Hand seine geliebte goldene Uhr sieht.

Und er sinkt tiefer – und tiefer – und tiefer – und tiefer

Mehrdeutig ist der Satz, mit dem die Autorin das weitere Geschehen im Meer einläutet (siehe oben). Hochmut kommt vor dem Fall, der „soziale Abstieg“ und das Versinken in den dunklen Fluten werden mit einem simplen Satz abgehandelt und vom Stefan Kurt, dem Sprecher des Hörbuches, auch angemessen bedeutungsschwanger betont. Bisher war der Vortragston eher distanziert, bedingt emotionslos ohne monoton zu wirken, porzellankalt aber nicht lieblos. Fast ein Jahr verbringt Edward auf dem Grund des Meeres, bevor er von einem armen Fischer im Netz gefangen und seiner Frau Nele als Geschenk mitgebracht wird. Schnell macht im Dorf das Gerücht die Runde, das der Hase wie ein kleines Kind behandelt wird. Dies bringt die einzige Tochter auf den Plan, die voller Eifersucht Edward auf den Müll schmeißt.

Zum ersten Mal keimt in Edward so etwas wie ein Gefühl auf. Doch auch diesmal gilt dies niemand anderem als ihm: Er verspürt Angst und als er auf der Müllkippe landet, ist er traurig darüber, dass er nicht mehr bei dem Fischerehepaar lebt und deren Lebensmittelpunkt ist. Der Entwicklung der Geschichte folgend wandelt sich auch in Nuancen der Erzählton des Sprechers, wobei er negativ behafteten Charakteren wie der Tochter der Fischer oder dem „Herrscher über den Müll“ extrem hohe, fast fistelnd-schnarrende und äußerst unangenehme Stimmen verleiht; dies ist absolut notwendig und wirkt keinesfalls überzogen und dient einzig dazu, dem kindlichen Hörer eine eindeutige Positionierung der Figur ohne Wenn und Aber zu ermöglichen.

Die inneren Monologe Edwards werden nun weniger kalt, sondern gewinnen deutlich an Wärme, ohne allerdings echte Sympathie für den Hasen versprühen zu können. Der Hörer bleibt weiterhin auf Distanz, hofft aber, dass die begonnene Entwicklung nicht im Sande stecken bleibt, sondern sich zu einem guten Ende wendet.

Edwards Reise geht vom Müllplatz zu einem Landstreicher und seinem Hund, bei dem er 4 Jahre lebt. In dieser Zeit wird er zu einer bekannten Persönlichkeit unter den Tramps und sein Ruf eilt ihm weit voraus. Seine beiden herausragenden Eigenschaften kommen ihm zu Gute: Ruhig sitzen bleiben und zuzuhören, ohne den Gesprächspartner zu unterbrechen. In dieser Rolle fühlt er sich sehr wohl, schmeichelt es doch seinem Ego. Das er dabei gerne mit Bull und seinem Hund zusammen ist, kommt noch hinzu und das so etwas wie freundschaftliche Gefühle in Edward aufkommen, schlägt sich auch beim Vortrag von Stefan Kurz nieder, der diese Episode mit wesentlich sanfterer und weicherer Stimme vorträgt als alles vorhergehende. Doch immer noch hat sich der Hörer nicht in Edward verliebt, obwohl er unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Dies liegt weniger an der Anteilnahme am Schicksal des Hasen, sondern an dem raffiniert aufgebauten Spannungsbogen und der hervorragenden audiophilen Umsetzung durch Herrn Kurz.

Pädagogisch wertvoll und hervorragend illustriert – doch für wen geeignet?

Doch Edwards Reise ist noch lange nicht zu Ende, sondern er muss noch einige Abenteuer bestehen, die sein Äußeres immer weiter ramponieren, während parallel dazu seine inneren Werte immer strahlender hervortreten. Und je weiter die Geschichte voranschreitet und sich Edwards Einstellungen und Gefühle gegenüber Anderen ändert, umso wärmer, verständnisvoller und Anteil nehmender klingt Stefan Kurz’ Erzählweise. Doch bleibt immer ein Quäntchen Distanz bestehen, und dies ist auch gut so, denn es handelt sich ja primär um eine Kindergeschichte mit der Altersempfehlung „ab 8 Jahre – also zweite Klasse der Grundschule“. Hier kommt deutlich einer der großen Vorteile einer Lesung gegenüber der Printausgabe zum Tragen, sofern diese zeitlos erfolgt. Trotz aller Tragödien, trotz der Kälte, die viele Protagonisten gegenüber ihrer Familie an den Tag legen, schafft Stefan Kurz die Gradwanderung zwischen Anteilnahme, gefühlvoller Lesung und doch genug Distanz zum Gelesenen, dass auch ein 8-jähriges Kind in der Lage ist, das Gehörte zu verarbeiten. Trotzdem sollte man sich gewahr sein, dass Kinder in diesem Alter in den wenigsten Fällen die Situation kennen und alleine verarbeiten können, dass Eltern nicht liebe- und verständnisvoll und Helfer in jeder Situation sind. Im Roman kümmert sich beispielsweise ein Vater nicht um seine sterbende kleine Tochter – dies geht weit über den Erfahrungshorizont eines Kindes hinaus und bedarf mit Sicherheit klärender Gespräche.

Kate DiCamillos Buch ist nicht einfach nur eine Mischung aus Märchen, Parabel, Fabel und Bildungs- und Entwicklungsroman, sondern erstreckt sich weit über diese hinaus. Sie verwendet Bruchstücke verschiedenster Stilrichtungen und fügt diese zu einem neuen, Trend setzenden und Wegweisenden Stück Literatur zusammen, welche hier ihre Geburt feiert. Die Alleinständigkeit wird vom Verlag noch dadurch unterstützt, dass man auch bei der Illustration einen völlig neuen, aufwendigen und hochwertigen Weg geht, der noch durch den exklusiven Einband nebst Lesebändchen unterstützt wird. Beim Durchblättern des Buches vergisst man, dass es sich hier originär um ein Kinderbuch handeln soll und damit kommen wir zum ersten und einzigen Kritikpunkt, der oben schon einmal leicht Anklang. Es ist eine tolle Geschichte, aber ob es die Erwartungen eines achtjährigen Kindes an ein Buch mit einem knuffigen Hasen erfüllt, der lustige und spannende Abenteuer erlebt, kann bezweifelt werden. Wenn man schon eine Kategorisierung vornehmen möchte, lautet die Empfehlung: für Kinder ab 10 – 12 Jahren und für Alle geeignet, die ein Faible für gekonnt erzählte Geschichten mit leicht pädagogischem Einschlag und ausgezeichneten Illustrationen haben.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Es war einmal ein Hase aus Porzellan, den ein kleines Mädchen sehr lieb hatte. Es war einmal ein Hase, der immer wieder verloren ging und immer wieder Freunde fand, geliebt wurde und lernte, selbst zu lieben.Edward Tulane ist ein Märchen ganz im Stile Andersens. Die schlichten und kurzen Sätze von Kate DiCamillo transportieren eine Welt von Gefühlen und Empfindungen. Jedes einzelne Wort scheint sorgfältig an seinen Platz gestellt worden zu sein, und der Schauspieler Stefan Kurt lässt Edward in der Phantasie der Hörer lebendig werden.



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