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Louis de Bernierès - Traum aus Stein und Federn

Louis de Bernierès
Traum aus Stein und Federn


Deutsche Grammophon, 2005
Anzahl CDs: 10
Laufzeit in Minuten k.A.
gekürzte Lesung
Übersetzer: Gabriele Kempf-Allié, Manfred Allié


Hier zur Hoerprobe bei Deutsche Grammophon Literatur

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Genozid im Namen der Religion

Louis de Bernierès - Traum aus Stein und Federn

De Bernieres macht seinen Lesern den Einstieg in seinen neuesten Roman nicht einfach. In einem Interview im „Guardian“ aus dem Jahre 2004 sagte er: „Ich möchte nur ernsthafte Leser!“ Diesem Motto bleibt er treu und so benötigt man einige Kapitel, um sich im Rhythmus des Romans zu Recht zu finden. „Birds without Wings“, so der Originaltitel, hat keine Hauptperson, die der Geschichte einen festen Rahmen gibt, sondern viele kleinere und größere Erzählstränge vereinen sich zu einem komplexen Gesamtbild. Häufig werden die gleichen Geschehnisse von mehreren Erzählern aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben. Durch die wechselnden Gesichtspunkte entstehen ein stimmiges, homogenes Gesamtbild der Ein- und Ansichten der Dorfbewohner und der verschiedenen Mentalitäten und Empfindlichkeiten innerhalb des multikulturellen Dorfverbandes.

Niemals jedoch wird de Bernieres unsachlich, ergreift Partei für eine Seite oder versucht, den Hörer zu manipulieren oder zu beeinflussen. Und dies alles gelingt ihm trotz der poetischen Schilderungen des Dorflebens, der emotionsgeladenen und tragischen Liebesgeschichte zwischen Philothei und Ibrahim oder der in erschreckender Deutlichkeit, die in der jüngeren anglistischen Literatur ihres gleichen sucht, geschilderten Schrecken des ersten Weltkrieges.
Zwischen den Erzählschnipseln wird im sachlichen Stil einer Dokumentation der Lebenslauf von Mustafa Kemal Atatürk, dem Gründer der Türkei, belichtet und parallel zu seiner Entwicklung haben wir Teil am Ende des Osmanischen Reiches und der Gründung der modernen Türkei.

Ein großes Kompliment gebührt an dieser Stelle den Produzenten von Universal Music/Deutsche Grammophon, die das Medium CD vorbildlich auszunutzen wissen: Jeder Track der CDs entspricht, bis auf wenige Ausnahmen, exakt immer einem der durchnummerierten Erzählthemen wie z. B. „Ich bin Philothei“ oder „Mustafa Kemal“. So ist es z. B. möglich, sich alle 22 Mustafa Kemal betreffende CD-Tracks hintereinander anzuhören oder schnell Zugriff auf ein bestimmtes Motiv zu haben. Ein ausführliches Tracklisting liegt der wunderschön designten Papp-Dose bei.

Sein neuester Roman beginnt mit der Geburt des Mädchens Philothei in dem fiktiven Dorf Eskibahce im Jahre 1900 und endet mit der Vertreibung der griechischen Christen aus der Türkei und parallel dazu der Verbannung der Moslems aus Griechenland 1923.








Philothei, die schon bei Ihrer Geburt unglaublich schön ist, wird Ibrahim, dem Sohn des Ziegenhirten versprochen. Während der Schilderung Ihrer Kindheit erfahren wir noch etwas über für den weiteren Verlauf der Geschichte wichtige Personen. Da sind zum einen Ibrahims Freunde Karatavuk und Memehtcik und Ihre eigene Freundin Drousala. Auch der Dorftöpfer Iskender, der Imam Abdulhamid Hodscha und der Bürgermeister des Dorfes Rustum Bey werden vorgestellt. Ihre Schicksale und Erlebnisse stehen beispielhaft für die sozialen, politischen und kulturellen Zustände und Umbrüche, die ihr Land in den geschilderten 23 Jahren durchmacht.

Aber auch der Humor kommt in „Traum aus Stein und Federn“ nicht zu kurz. Die beiden Dorf-Gendarmen sitzen Tag und Nacht auf dem Marktplatz und spielen Brettspiele, wenn sie nicht gerade ein Nickerchen machen, um sich von den Mühen des Tages zu erholen. Iskender erfindet pausenlos neue Sprichwörter und Ibrahim imitiert gekonnt das Blöcken der Ziegen, wobei er ständig neue Namen dafür erfindet wie z. B. „Das Blöcken einer Ziege, die nichts zu sagen hat“.
Dabei gelingt es de Bernieres, allen seinen auftretenden Charakteren, deren es nach eigener Angabe fast 200 sein sollen, eine immense Tiefe und Plastizität zu verleihen. Dieser Individualisierung der einzelnen Protagonisten trägt Ulrich Noethen gekonnt Rechnung bei seiner Lesung. Wenn er z. B. die dramatischen Ereignisse während der Belagerungsschlacht bei „Galipolli“ oder die Eroberung Smyrnas schildert, gewinnt der ohnehin schon brillant geschriebene Text eine Dimension, der man sich nicht mehr entziehen kann. Ulrich Noethens Stimme zittert, erbebt, schwindet und fängt sich dann wieder, als ob er es nicht fertig brächte, die begangenen Gräuel, die eigene Schuld, das Entsetzen im Angesicht der Tragödie des Stellungskrieges und des Sterbens von Freunden und Kameraden zu schildern.
Eine bravouröse Glanzleistung, denn im nächsten Kapitel erzählt er uns mit ironischem Augenzwinkern, wie Rustum Bey von einer tscherkessischen „Geliebten“ verführt wird oder wie ein muslimischer Dorfbewohner, für den Alkohol Tabu ist, jeden Abend Sturz betrunken nach Hause kommt, weil er „wegen seinen unerträglichen Zahnschmerzen ein Schlückchen Raki“ getrunken hat.

Aber de Bernieres Roman handelt auch von dem Kreislauf der Gewalt, dem bornierten Festhalten an überkommenen und überholten religiösen Dogmen, von Blutrache und Hass, Vergeltung und Liebe, zerbrochenen Träumen und unerfüllten Utopien. Und das alles nur, weil die Scheichs von Ländern, wie z. B. „England, das die halbe Welt beherrscht“ oder „Franzosen, Italiener und Griechen“ Ansprüche auf ein Land anmelden, deren Einwohner von der Existenz dieser ganzen Völker keine Ahnung hatten und noch weniger verstehen, warum diese Scheichs jetzt ausgerechnet ihr Land annektieren wollen, wo sie doch alle selber ein Land haben, um darin zu leben.
Der historisch interessierte Hörer wird vermutlich einige bisher unbekannte Details zur Rolle Deutschlands vor und während des ersten Weltkrieges im osmanischen Reich erfahren. Aber dies ist bei Weitem nicht alles, mit dem der Hörer verwöhnt wird. De Bernieres webt in poetischen Worten einen bunten Teppich aus Geschichte, religiösen Bräuchen, Sitten, Ehrenkodex, sozialen Gefügen, militärischem Hintergrundwissen und vielem mehr. Jedes kleine Steinchen fügt sich nahtlos an die anderen Teilchen an, ergänzt oder erweitert diese so, das am Ende des Romans ein perfektes Mosaik entstanden ist, das, gespiegelt am Schicksal eines ganzen Dorfes, das tragische Ende eines Reiches und die Anfänge eines neuen Staates abbildet.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

"Ein überwältigender, poetischer Roman über die essentiellen Dinge des Lebens: Liebe, Tod, Ehre, Scheitern und Schuld." The Irish Times

Die Weisheit des Lebens und der Zauber des Orients in einem Buch. Im Zerbrechen einer Liebe erspürt der große europäische Erzähler Louis de Bernières den Untergang einer ganzen Epoche. In seinem Weltbestseller erschafft er mit schillernden Farben aus einer kleinen Stadt am Rand des Osmansischen Reiches einen Kosmos, in dem vor 100 Jahren Türken und Griechen, Christen und Muslime. In Frieden miteinander lebten. Bis das fragile Gewebe aus Freundschaft und Not, aus kleinen Betrügereien und großem Aberglauben zerreißt.


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