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Thomas Mullen - Die Stadt am Ende der Welt

Thomas Mullen
Die Stadt am Ende der Welt


Hoffmann und Campe, 2007
Gebunden
480 Seiten
Übersetzer: Robert A. Weiß, Gerlinde Schermer-Rauwolf


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Globalisierung 1918

Thomas Mullen - Die Stadt am Ende der Welt

Ein Jahr nach Eintritt der Vereinigten Staaten in den ersten Weltkrieg; Hysterie allerorten. Von Staats wegen eingerichtete Bürgerkomitees durchkämmen Städte, Dörfer und einzelne Gehöfte nach Wehrtauglichen. Jede Familie muss mindestens einen Erwachsenen stellen. Dann gibt’s da noch die Freiwilligen, die von Haus zu Haus ziehen, um Kriegsanleihen zu verkaufen – und wehe, man erwirbt keine!
Die miesen Arbeitsbedingungen treiben immer mehr Arbeiter mit der Forderung nach gerechteren Löhnen, Arbeitssicherheit und Kündigungsschutz auf die Strasse. Straßenschlachten mit der Polizei oder so genanntem „Werkschutz“ sind an der Tagesordnung. Tote und Verwundete bleiben bei den Wobblies genannten Gewerkschaftern zurück. Nicht besser geht es Pazifisten, die man in die Ausbildungslager der Armee schickt, um dort die niedrigsten Arbeiten wie Kloakendienst auszuführen. Dabei sind sie brutaler Gewalt ausgesetzt, die von den Vorgesetzten geduldet, ja teils gefördert wird. Es gibt nur zwei Wege, dieser zu entrinnen: Flucht oder Aufgabe des Pazifismus.

1918 bricht dann auch in Amerika die spanische Grippe aus und breitet sich rasend schnell aus. Jeder versucht sich zu schützen, so gut es geht. Auch das kleine ländliche Städtchen Commonwealth ergreift Maßnahmen zu seinem Schutz.

Enklave des Friedens und Fortschritts

Commonwealth unterscheidet sich grundlegend von fast allen anderen amerikanischen Städten. Es handelt sich um eine Kooperative, bei der alle Einwohner am Gewinn beteiligt sind. Die Löhne sind überdurchschnittlich hoch; jede Familie hat ihr eigenes Haus, welches in Gemeinschaftsarbeit errichtet wird; diese gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Im örtlichen Drugstore sind die Preise moderat und Kredit gibt’s immer. Sofern man die Regeln der Gemeinschaft anerkennt, ist jeder willkommen. Die Nachbarn halten Commonwealth für einen Störenfried, der ihren Arbeitern nur Flausen in den Kopf setzt. Für sie ist der Beschluss des Dorfrates, die Stadtgrenzen auf unbegrenzte Zeit zu sperren, um ein Eindringen der spanischen Grippe zu verhindern, ein willkommener Grund, „den Spinnern“ einen unfreundlichen Besuch abzustatten

Thomas Mullen ist eine angenehm leicht zu lesende Lektüre gelungen. Nicht gelungen ist die Unparteilichkeit bzw. die Ausgeglichenheit zwischen den Agierenden, die bei solch komplexen Sachverhalten unbedingt nötig ist, um glaubhaft zu bleiben. Und die hier auf der Strecke bleibt. Die Arbeitgeber, deren Schlägertrupps, die Nachbarn – die Charakterisierungen bleiben klischeehaft und flach. Was diese Personen denken, bleibt verborgen. Als Motivation müssen Dünkel, Obrigkeitshörigkeit oder aber niedere Beweggründe wie Neid herhalten. Warum die Großkopferten der umliegenden Städte Unbehagen empfinden und nur nach einem Grund suchen, Commonwealth zu Schaden, kann man sich leicht vorstellen. Dies reicht aber nicht aus um zu verhindern, dass diese Figuren flach, seicht und klischiert wirken.
Bei der Ausarbeitung der Bewohner von Commonwealth gibt er sich viel mehr Mühe. Der Leser darf ständig an den inneren Monologen der Figuren teilhaben; nimmt deren Zweifel und Gefühlsschwankungen wahr. Und kann sich besser in sie hineinversetzen. Eindeutig will der Autor, dass die Commonwealther positiver als der Rest der Welt bewertet werden; was ihm auch prima gelingt.

„Die Stadt am Ende der Welt“ behandelt viele große Themen: Die Angst vor „dem Anderen“, wie man sich vor diesem schützt – und welche Bereitschaft besteht, Gewalt anzuwenden, um seine hehren Ziele zu verteidigen. Dazu zählt auch, wie man damit umgeht, zu einer verachteten, vogelfreien Minderheit zu gehören wie die Pazifisten und Wobblies. Wie weit geht Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft, wenn man Gefahr läuft, tödlich zu erkranken? Was wird aus Freundschaften, wenn man unterschiedliche, mit einander unvereinbare Standpunkte vertritt? Mullen gibt auf diese Fragen keine Antworten sondern lässt dem Leser viel Spielraum, sich in einer oder mehrerer seiner Protagonisten wieder zu finden. Dieser Roman ist ein wichtiges Buch in einer Zeit aufkeimenden Extremismus und vielfach fehlender Kommunikationsbereitschaft. Für den bereits geplanten Kinofilm kann man nur hoffen, dass die Verantwortlichen nicht nur „den Actionpart“ des Buches visualisieren.

Rezensent: Wolfgang Haan







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