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Friedrich Ani - Idylle der Hyänen

Friedrich Ani
Idylle der Hyänen


Jumbo, 2007
Anzahl CDs: 5
Laufzeit in Minuten 348
gekürzte Lesung
Sprecher: Jürgen Uter

Hoerprobe 1 (mp3, 3.5 MB)

Bestellen bei amazon.de

Was ist das?

Friedrich Ani - Idylle der Hyänen

Eine Frau wird erdrosselt in einer Tiefgarage aufgefunden; eingesperrt in einen Schrank. Von ihrer siebenjährigen Tochter Katinka fehlt jede Spur. Die Vermutung, dass auch sie ermordet, die Leiche dann aber woanders hin verbracht wurde, liegt nahe. Fieberhaft arbeitet die Ermittlungstruppe rund um Polonius Fischer, einem ehemaligen Mönch und jetzt Kriminalhauptkommissar, an der Suche nach dem Mädchen. Dann wird eine zweite Tote aufgefunden - auch diese wurde erdrosselt.
Nach dieser Hiobsbotschaft ist es schon fast eine gute Nachricht, dass Katinka nicht ermordet, sondern „nur“ entführt wurde. Doch wie hängen die drei Verbrechen zusammen?

Der Kommissar und das Mädchen

Polonius Fischer ist einer der ungewöhnlichsten Polizisten der Kriminalliteraturgeschichte; wer jetzt an einen modernen „Pater Brown“ denkt, liegt völlig falsch. Auf Grund seiner klösterlichen Vergangenheit, der Tatsache, dass die Ermittlungsgruppe aus einem Dutzend Personen besteht und das bei gemeinsamen Mahlzeiten Fischer aus erbaulichen Schriften vorliest, nennt man sie halb spöttisch, halb schmunzelnd, die 12 Apostel. So verwundert es nicht, dass auch religiöse Themen im Roman eine Rolle spielen; diese werden jedoch nicht kommentarlos in den Kontext gesetzt. Den persönlichen Erfahrungen des gefallenen Mönches Polonius entsprechend werden diese nicht nur erklärt, sondern sogar in Frage gestellt – ohne das dem Hoerer die Antworten auf einem silbernen Tablett präsentiert werden; hier kann er sich, sofern gewillt, aber nicht zwingend für das Verständnis der Geschichte erforderlich, mit seinen eigenen Vorstellungen in die imaginäre Diskussion einklinken.

Friedrich Ani schafft mit seinem Roman „Die Idylle der Hyänen“ de Facto ein eigenständiges Genre. Eine homogene Sonderkommission, deren private Probleme im Roman kaum Erwähnung finden; kein ständiges, gebetsmühlenartiges Wiederkäuen der bisherigen Ermittlungsergebnisse; ein Kommissar, der mal nicht ständig klassische Musik hört, mal nicht Pfeife raucht, mal nicht cholerisch rumbrüllt, mal nicht karrieregeil, mal nicht der absolute geistige Überflieger mit fast hellseherischen Fähigkeiten ist und der sogar ein Vorleben hat. Und hier leistet sich Ani die einzige Extravaganz bei dem Aufbau der Figuren: Polonius Fischer war ein Mönch – dies ist allerdings für den weiteren Verlauf des Romans von immenser Bedeutung.

Völlige Freiheit der Interpretation

Jürgen Uters Vortrag erfüllt auf den ersten 4 CDs des Hoerbuches alle Erwartungen, die man an einen professionellen Sprecher stellen kann: intuitiv, Ton- und Stimmlage wechselnd, den Protagonisten Profil verleihend, den Spannungsbogen haltend Spannung steigernd. Steigerungsfähigkeit scheint kaum möglich und ist auch nicht nötig, um dem Hoerer ein außergewöhnliches Buch mit ungewöhnlicher Thematik nahe zu bringen. Doch mitten auf CD 5 brüllt [und das ist wörtlich zu nehmen] Uter voller Emphase ein Wort: „Nein!“ – und die Mauern von Jericho scheinen ein zweites Mal einzustürzen.
Was ist passiert? Im Roman beginnt der Mörder einen Monolog. Und für die Dauer dieses verschwindet Jürgen Uter vollständig. Wie in Stevensons berühmtem Roman wird aus der Persönlichkeit von Jürgen Uter (Jekyll), der vollständig autark handelnde Mörder (Hyde). Geifernd, fluchend, beleidigend, abwertend, zynisch – das einzige, was Hyde nicht macht, ist, Polonius Fischer tätlich angreifen oder ihn anzuspucken. Doch genauso plötzlich wie Hyde erscheint, ist plötzlich wieder Jekyll da: will bemuttert, ja geschmust werden, heischt um Verständnis, bettelt um Privilegien. Es muss nicht extra erwähnt werden, dass diese beiden Extreme ständig übergangslos wechseln und den Hoerer völlig atemlos an den Kopfhoerern kleben lässt. Doch nicht allein gebührt dem Sprecher hier Anerkennung und Lob: auch dem Jumbo-Verlag steht dieses zu. Es gibt wenige Verlage, die ihren Sprechern Gelegenheit dazu geben, so überzeugend in die Haut eines der Protagonisten zu schlüpfen. Durch die Art von Uters Spiel ändert sich auch der Blickwinkel des Hoerers auf den Kommissar und den Täter. So abstrus manche dessen Ideen sind, weckt der Sprecher Sympathie für ihn. Fischers Gegenargumentation erscheint hohl, wie abgelesen, bürokratisch-unflexibel und lässt ihn in keinem so guten Licht da stehen. Letztendlich kann der Beschuldigte reden wie und was er will: die Beweislage ist eindeutig, eine Verurteilung wahrscheinlich. Nur ein letztes, diffuses Unwohlsein bleibt: im Zweifel für den Angeklagten.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

In einer Tiefgarage wird eine tote Frau gefunden. Wo ist ihre kleine Tochter? Ist es möglich, dass jemand zum Mörder wurde, um das Kind des Opfers zu retten? Für den Münchner Kommissar Polonius Fischer gibt es keine Routine. Nicht erst seit er seine Mönchskutte abgelegt hat, zählt für ihn vor allem eines: das Rätsel des Bösen.
Der Roman wurde mit dem Turkan-Preis ausgezeichnet. Jürgen Uter hält die Spannung bis zur letzten Sekunde.

Das gleichnamige Buch ist im Paul Zsolnay Verlag erschienen


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