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Zeruya Shalev - Mann und Frau

Zeruya Shalev
Mann und Frau


Der Hörverlag, 2005
Anzahl CDs: 5
Laufzeit in MInuten 373
gekürzte Lesung
Sprecher: Annika Pages


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Szenen einer Ehe

Zeruya Shalev - Mann und Frau

Der Beginn der Geschichte lässt keine Schlüsse auf den weiteren Verlauf des Dramas zu, sondern könnte aus jedem X-beliebigen „Frauen-Roman“ stammen:
Ein Mann wird morgens wach; beide Beine sind gelähmt; Frau und Tochter sind wie paralysiert; alle vorhandenen Probleme lösen sich wegen der Krise in Dunst auf; Fahrt zum Krankenhaus; dort stellt ein gütig lächelnder Arzt die hoffnungsvolle Diagnose nebst zukunftsträchtiger Prognose; Vater – Mutter – Tochter sinken sich glücklich in die Arme; der Vorhang fällt, das Publikum tobt, der Kritiker auch.

Diesen klebrig-süßen Verlauf erspart uns die israelische Erfolgsautorin Zeruya Shalev zumindest teilweise, denn nur bis zur Einlieferung in das Krankenhaus folgt sie diesem schon fast ausgelutschten Schema und selbst dafür benötigt sie nur wenige Minuten des fünf CDs umfassenden Hörbuches. Danach entgleitet die Story in ein knallhartes Psychogramm einer sich letztendlich selbst zerstörenden Ehe. Bis auf die Grundmauern erschüttert die Autorin das bei uns übliche Selbstbildnis der sich für die Kinder aufopfernden Mutter, des treusorgenden Ehemanns und des verwöhnten, jedoch folgsamen Einzelkindes. Udi, so heißt der männliche Protagonist dieser Geschichte, ist Reiseleiter und fast nie zu Hause. Und wenn er zu Hause ist, zwingt er der Familie seinen Rhythmus auf, stört die zerbrechliche Harmonie zwischen Mutter und Tochter; einer Tochter, die er weitestgehend ignoriert. Na’ama, Ich-Erzählerin und Udis Frau, arbeitet als Sozialhelferin in einer karikativen Einrichtung, die sich um junge Mädchen kümmert, die ungewollt schwanger wurden. Die 9-jährige Tochter Noga findet weder in der Familie noch in der Schule halt. Einzige Bezugsperson ist ihre Großmutter, bei der sie ihre Nachmittage verbringen muss.

Realitätsnah wird aus der Krankheit kein verbindendes Element sondern Auslöser für heftige Rededuelle zwischen den Eheleuten, bei denen keiner einen Deut nachgibt und Schuldzuweisungen wie Pistolenkugeln verschossen werden. Zermürbend langsam der Erkenntnisprozess, dass es so etwas wie Liebe zwischen ihnen nicht mehr gibt, sondern dass die Beziehung einer Symbiose zweier Lebewesen gleicht, deren Nahrung die gegenseitigen Vorwürfe sind. Erst durch die erzwungene Nähe kann die nötige Distanz entstehen, die für beide nötig ist, um ihr Leben neu zu ordnen. Dabei gehen beide unterschiedliche Wege, die jedoch eines gemeinsam haben: sie führen in verschiedene Richtungen – ein gemeinsames, glückliches Leben rückt in den Bereich der Utopie. Und erst, als diese Befreiung vollzogen ist, gelingt es Na’ami, wie von außen objektiv ihr Leben zu betrachten. Erst nun schafft sie es, membrandünne Ordnung in ihr emotionales und psychisches Chaos zu bringen und denkt zum ersten Mal in ihrem Leben nur an sich – dabei bleibt sie Mutter, aber sie ist nicht mehr die „Über-Mutter“, die ihre Tochter vor allem beschützen will und dabei genau das Gegenteil erreicht.

Aber der Roman besticht nicht nur durch psychologische Tiefe, sondern auch durch die klare, moderne Sprache. Dabei ist der Roman nicht frei von Metaphern, Ironie oder Archetypen doch die Autorin vermeidet jedwedes Klischee und paralysiert den Hörer förmlich mittels kraftvoller Bilder, strukturiertem Aufbau, pulsierendem Sprachrhythmus und mitreißender Dynamik. Dabei destruiert sie Karte für Karte das bereits schwankende Kartenhaus der 20-jährigen Ehe, bezieht dabei aber nie Partei, so dass am Ende der Hörer entscheiden muss, wer denn nun den „Schwarzen Peter“ auf der Hand hält.



Hörspiel par excellence



Keine Soundeffekte, keine Musik und doch wird hier ein Hörerlebnis geboten, dass herkömmliche Lesungen weit in den Schatten stellt. Anika Pages liest nicht Na’ama, sie spielt Na’ama. Dabei durchlebt sie alle Höhen und Tiefen der zerbrechenden Beziehung. Eindringlich wird es, wenn sie von den Problemen der schwangeren Teenager berichtet. Erotisch, wenn sie gemeinsam mit ihrem Mann den längst fälligen Urlaub vom Alltag macht – hoffnungslos, da auch dieser nichts mehr kitten kann. Hoffnungsvoll, wenn es an der Tür klopft oder das Telefon klingelt. Sehnsüchtig, wenn sie sich das Bild ihres Mannes vor Augen ruft, wie er ein fremdes Baby auf den Armen wiegt. Eifersüchtig, wenn sie an die neue Geliebte denkt. Hasserfüllt, wenn sie von ihrer Mutter spricht. Gleichgültig, wenn sie über sich selber spricht. Es ist, als lausche man einem Method-Actor bei einem Kammerspiel – eine unglaubliche Intensität und Körperlichkeit wird erzeugt, die süchtig macht.

Fazit: Hervorragend geschriebenes und außergewöhnlich eindringlich gespieltes Hörbuch einer großen israelischen Autorin. Völlig ohne Pathos, Klischees oder Stereotypen schildert sie unparteiisch vom Ende einer großen Liebe, ohne den Hörer zu langweilen oder in tiefe Depressionen zu stürzen, denn der Roman hat tendenziell einen optimistischen Unterton, der beachtet werden will. Das ideale Geschenk für alle, die befreundeten Ehepaaren einen Spiegel vorhalten wollen.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Udi wacht auf und ist gelähmt. Symptome einer Krankheit oder Indiz einer Verweigerung? Na`ma, seine Frau, und Noga, deren Tochter, sind verzweifelt. Und so plötzlich, wie die Lähmung gekommen ist, ist sie auch wieder vorbei. Doch wieder zeigt Udi Symptome: Er erblindet, ist hilflos, legt sich ins Bett und lässt sich von Frau und Kind bedienen. Na`ma, geplagt von schlechtem Gewissen, rackert sich ab. Denn sie war es schließlich, die ihren Mann vor Jahren - beinahe - mit einem Maler betrogen hätte. Udi hat ihr das bis heute nicht verziehen, so wie sie ihrem Mann nie verzeihen konnte, dass er Noga mit zwei Jahren vom Balkon fallen ließ. Als Na`ma eine attraktive junge Heilerin ins Haus holt, beginnt die Auflösung der Familie.


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