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Werner Finck - Gedichte und Kurzgeschichten

Werner Finck
Gedichte und Kurzgeschichten
Smudo und Peter Lohmeyer lesen Werner Finck

Deutsche Grammophon, 2007
Anzahl CDs: 2
Laufzeit in Minuten 140
Zeitgeschichte
Sprecher: Smudo, Peter Lohmeyer

Hoerprobe 1 (mp3, 1 MB)
Hoerprobe 2 (mp3, 2 MB)
Hoerprobe 3 (mp3, 1.1 MB)

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Laut gegen Nazis Vol. 2

Werner Finck - Gedichte und Kurzgeschichten

Viel zu selten beziehen große Wirtschaftsunternehmen dauerhaft und konkret Stellung zu aktuellen politischen Strömungen. Umso begrüßenswerter ist das offene Engagement von u. a. Universal Music und Deutsche Grammophon Literatur gegen rechtsradikale Tendenzen, Diskriminierung aus rassistischen Beweggründen und Gewalt von Neo-Nazis gegen ethnische Minderheiten. Gemeinsam mit der Initiative „Laut gegen Nazis“ wurde eine gleichnamige Hörbuch-Reihe ins Leben gerufen welche am 30.03.2007 im Rahmen einer Pressekonferenz in Hamburg einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt wird. Zunächst erscheinen im Rahmen dieser Serie drei Audiobooks, denen voraussichtlich im Mai Teil vier und fünf folgen werden. Bereits 2004 wurde eine erste Hörbuchserie produziert, die noch im Handel erhältlich ist.

In der Regel setzen Hörbuchverlage professionelle Bühnenschauspieler als Vortragende ein, um jede noch so kleine Nuance der Buchvorlage herauszuarbeiten – sehr zum Gefallen des Hörers. „Laut gegen Nazis“ weicht von dieser schon fast als „Maxime“ zu bezeichnenden Gewohnheit ab: ...


...als Sprecher fungieren größtenteils Künstler, die fest in der heutigen Jugendkultur verankert und mit großer Begeisterung und Verve bei der Sache sind. Im Vordergrund stand bei der Aufnahme im Tonstudio nicht das Ausbügeln von sprachlichen Eigenheiten, sondern das Wecken des politischen Verständnisses und Interesses an unserer Vergangenheit bei der MTV-Generation. Doch reichen Begeisterung und Engagement aus, um die Botschaft adäquat zu portieren?

Letztendlich kann dies nur jeder Einzelne für sich selber entscheiden. Trotzdem darf nicht versäumt werden, auf die teils frappierenden Unterschiede im Vortrag hinzuweisen. Beinahe nicht der Erwähnung bedarf der, wie nicht anders zu erwarten, exzellente Vortrag von Jo Brauner und Julia Westlake der Verhörprotokolle. Dieser sachliche Vortrag passt hervorragend zu den Rechtfertigungen Eichmanns, er habe „nur Befehle“ ausgeführt und sei halt in der Beamtenhierarchie recht weit oben gewesen: „Ich habe niemals einen Juden getötet. Ich habe aber auch nie einen anderen Menschen getötet.“; so könnte man die erste CD zusammenfassen.

Problematischer wird es da schon bei der Lesung von Noah Sow. Diese liest auszugsweise eine bis heute konträr diskutierte Schrift der deutsch-jüdischen Philosophin Hannah Arendt mit dem Titel „ Eichmann in Jerusalem: A Report on the Banality of Evil. New York 1963 (dt. Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen, München, 1964)“. Arendt selbst wohnte dem gesamten Eichmann-Prozess in Jerusalem bei. Diesem sensiblen Sachverhalt Rechnung tragend ist es kontraproduktiv, nebensächliche Sachverhalte mit Zynismus aufzupeppen, um ihnen dadurch eine andere, negative Bedeutung zu verleihen. Beispielsweise erfährt der Hörer, dass Eichmann seine Schulausbildung abbrach und ziellos dahin trieb. Dieser banale Sachverhalt wird mit gehässigem Unterton vorgetragen, so dass man als Botschaft „Das Verbrechen lag ihm schon in der Wiege“ anklingen zu hören glaubt.

Smudo, Mitglied von „Die fantastischen Vier“, und Peter Lohmeyer tragen Gedichte und Kurzgeschichten Werner Fincks vor. Und man kann sich kein besseres Gespann hierfür wünschen. Gerade Schnellsprecher Smudo hat für den Rhythmus Fincks’ ein in langen Jahren als Musiker geschultes Gehör. So kann man bisher dem Verlag ein glückliches Händchen bei der Auswahl ihrer Sprecher bescheinigen.

Das dritte Hoerbuch, welches im Rahmen dieser Rezension besprochen werden soll, enthält neben Auszügen aus dem Leben von Lucille Eichengreen auch Gedichte von Ruth Rosenfeld. Dabei liest Stefanie Kloß die Lebensgeschichte und Johannes Stolle die Lyrik. Beide sind Mitglieder der Band „Silbermond“. Beim anhören der Lesung fällt einem spontan das geflügelte Wort „Der Zweck heiligt die Mittel“ ein – Frau Kloß’ lieblich-naive wirkende Stimme passt überhaupt nicht zum Inhalt des Gelesenen. Bei Herrn Stolle muss man bemängeln, dass es sein Vortrag nicht schafft, die Essenz der Gedichte herauszuarbeiten und somit für den Hoerer unmittelbar erlebbar macht.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Gegen das Vergessen

Schon einmal wurde weggesehen, Anfang der 1930er Jahre, als viele behaupteten, die braunen Horden seien nur eine Randerscheinung einer politisch wirren Zeit. Was darauf folgte, war eine der verheerendsten Katastrophen, die sich die Menschheit bislang zugefügt hat. Die Initiative "Laut gegen Nazis - rechte Gewalt kann jeden treffen" hat es sich in Zusammenarbeit mit der Amadeu Antonio Stiftung daher zur Aufgabe gemacht, mit intensiver Pressearbeit, Konzerten, Kampagnen und auch dieser Hörbuch-Edition dazu beizutragen, dass Rassismus und Antisemitismus ebenso wenig Chancen haben, sich wieder in den Köpfen festzusetzen, wie die dumpfen Parolen der Ewig-Gestrigen und neuen Rechten. Zahlreiche Prominente der deutschen Kulturszene haben spontan ihre Unterstützung zugesagt, einige davon wirken nun - wie Smudo von den Fantastischen Vier, der langjährige Tagesschau-Sprecher Jo Brauner oder die derzeit erfolgreichste deutsche Rockband Silbermond - aktiv mit und haben dafür gesorgt, dass die aktuellen drei Kapitel der Hörbuch-Edition "Laut gegen Nazis" mehr sind als nur ergreifende Dokumente einer tiefdunklen Epoche der deutschen Geschichte.

Adolf Eichmann war einer der Initiatoren und Hauptverantwortlichen des Holocaust. Als Leiter des Judenreferates des Reichsicherheitshauptamtes organisierte er sowohl die Deportationen als auch den systematischen Massenmord in den Konzentrationslagern. Da er als Schreibtischtäter vorwiegend im Hintergrund agierte, gelang es ihm als weitgehend Unbekanntem, 1946 aus amerikanischer Haft zu fliehen und sich nach Argentinien abzusetzen. Dort wurde er vom israelischen Geheimdienst 1960 aufgespürt, nach Israel gebracht, vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Während der Haft wurden durch den Hauptmann Avner Less die so genannten Eichmann-Protokolle festgehalten, in denen der NS-Funktionär seine Verbrechen bagatellisierte. Der Prozess im Frühjahr 1961 wurde wiederum von der Schriftstellerin Hanna Arendt vor Ort mitverfolgt und in ihrem Buch "Bericht über die Banalität des Bösen" unter moralphilosophischen Gesichtspunkten analysiert. Folge eins der "Laut gegen Nazis"-Edition hat sich der Aufgabe gestellt, Arendts Betrachtung "Eichmann in Jerusalem" und die Verhörprotokolle mit Erlebnisberichten von fünf Frauen (Masha Rolnikaite, Lucille Eichengreen, Ruth Bondy, Martha Glass, Silvia Grohs-Martin), die die Tötungsmaschinerie überlebt haben, so zu kontrastieren, dass sich ein ebenso mitfühlendes wie stellenweise nüchtern dokumentierendes Zeitbild ergibt, das die Perfidie und menschenverachtende Gemeinheit des Nazi-Regimes bloß stellt. Als Sprecher konnten die drei TV- und Radio-Profis Jo Brauner, Julia Westlake und Noah Sow gewonnen werden; die Einwürfe des Hauptmanns Avner Less wiederum liest der Zeitzeuge Uwe Storjohann, der selbst als Mitglied der Hamburger "Swing-Jugend" die Repressalien des Nazi-Regimes erlebte.

Teil zwei der Edition "Laut gegen Nazis" wagt den Umweg über Ironie und Humor, was aber nicht minder scharfsinnig die Anzeichen den Unheils umreißt. Werner Finck (1902-78) stammte aus Görlitz, wanderte zunächst als Laiendarsteller und Märchenerzähler durch die Lande, bevor er 1925 sein erstes festes Theaterengagement in Bunzlau erhielt. Vier Jahre später führten ihn die Wege nach Berlin. Dort gründete er kurz nach seiner Ankunft mit Hans Deppe zusammen das Polit-Kabarett "Die Katakombe", das bis 1935 zu den wichtigsten kritischen Adressen in Deutschland zählte. Während der Nazi-Diktatur hatte er mit Berufsverboten zu kämpfen, schaffte es aber, trotz kritischer Worte zu überleben. Er entwickelte eine spezifische Technik des Wortwörtlichnehmens und Unvollendetlassens von Sätzen, die wiederum den Zuhörern erlaubte, sich ihren Teil zu denken. Damit gehörte Finck auch in den Nachkriegsjahren zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Kabaretts, vom Züricher "Nebelhorn" über die Stuttgarter "Mausefalle" bis hin zu zahlreichen Soloprogrammen wie "Der brave Soldat schweigt" und "Am besten nichts Neues", die der Saturiertheit des Wirtschaftswunders den Spiegel vorhielten. Seine Gedichte und Kurzgeschichten gehören zu den profundesten Miniaturanalysen des deutschnationalen Kleingeistes und werden von dem Mitglied der Popgruppe "Die Fantastischen Vier" Smudo und dem Schauspieler Peter Lohmeyer mit prickelnder Prägnanz gesprochen.

Teil drei der Edition schließlich beschäftigt sich mit zwei ungewöhnlichen Frauen: Lucille Eichengreen (geb. Cecilie Landau) war nur mit knapper Not der eigenen Ermordung im Konzentrationslager Bergen-Belsen entkommen. Da sie dort zeitweilig als Bürokraft eingesetzt war und sich deshalb an die Namen von 42 SS-Schergen erinnern konnte, die dort die Menschen gequält hatten, werden ihre Aussagen zu wichtigen Zeugendokumenten im Anschluss an die Befreiung durch die Alliierten. Ende 1945 konnte sie in die USA auswandern und sich dort ein neues Leben aufbauen. Eichengreens Erinnerungen an die Zeit unmittelbar nach der Befreiung werden für die von Stefanie Kloß und Andreas Nowak von der Rockgruppe "Silbermond" gelesene Folge von "Laut gegen Nazis" mit Gedichten von Ruth Rosenfeld ergänzt. Eichengreens Zeitgenossin hatte das Glück, Deutschland 1939 verlassen zu können, und erlebte den zweiten Weltkrieg und das Ende der Nazi-Diktatur vom englischen Exil aus. Ihre Gedichte schrieb sie bereits als junges Mädchen in den Jahren 1934-39 unter dem Eindruck des zunehmenden Antisemitismus und des regierenden Ungeistes. Es sind bewegende Zeugnisse zwischen mädchenhafter Emotion und klarer Analyse - aus der Perspektive eines Menschen, dessen Seele mit Füßen getreten wird.
Ein weiteres Highlight dieser ungewöhnlichen Hörbuchreihe, von deren Erlös übrigens pro Exemplar ein Euro an die Amadeu Antonio Stiftung gegen rechte Gewalt gespendet wird.


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