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Thomas Hürlimann - Fräulein Stark

Thomas Hürlimann
Fräulein Stark


Sonstige, 2002
Anzahl CDs: 5
Laufzeit in Minuten 319
ungekürzte Autorenlesung
Sprecher: Thomas Hürlimann

Hoerprobe 1 (mp3, 1.7 MB)

Bestellen bei amazon.de

Identitätssuche eines Christen mit jüdischen Vorfahren

Thomas Hürlimann - Fräulein Stark

Thomas Hürlimann, am 21.12.1950 in Zug (Schweiz) geborener Schriftsteller, Dramaturg und Dozent sowie Träger zahlreicher Auszeichnungen wie z. B. des Joseph-Breitbach-Preises im Jahre 2001, erregte mit seiner 2001veröffentlichten Novelle „Fräulein Stark“ großes öffentliches Aufsehen. Nun ist dieses skandalträchtige Stück der Gegenwartsliteratur, angeblich autobiographisch eingefärbt, auch als Hörbuch erhältlich.

Der Ich-Erzähler berichtet davon, wie er als 12-jähriger den Sommer des Jahres 1962 bei seinem Onkel, Prälat und Ober-Bibliothekar in einem Klosterstift, verbracht hat. Der Prälat möchte seinem Neffen den Aufenthalt so angenehm wie möglich machen und teilt ihn zu einer leichten Aufgabe ein: Er muss den Besuchern der Bibliothek Filzpantoffeln über die Schuhe ziehen, damit die Sohlen und Absätze nicht das kostbare Holzparkett der „Bücherarche“ beschädigt.

So kniet Katz, dies der Name des Jünglings, Tag für Tag an der Schwelle vom Kind zum Erwachsenen auf der Türschwelle des Saales. Zu seinem Erstaunen stellt er fest, dass die überwiegende Zahl der Besucher weiblichen Geschlechts ist. In die prüde Schweiz anfangs der 60er Jahre wurde die Sexualität durch konservatives Festhalten an katholischen Grundsätzen weitestgehend verdrängt und so bietet sich Katz hier „ein Paradies“ von optischen und ätherischen Eindrücken.

Ähnlich wie in „Das Parfüm“ erschnüffelt sich Katz, hierbei eher Hund denn katzengleich, seinen Himmel der aus Füssen, Knöcheln, Beinen besteht. Als Fräulein Stark, die Hausdame des Prälaten, ihn bei seiner Passion, den Blick himmelwärts gewandt, die Nüstern weit gebläht, erwischt, verlangt sie, Katz auf einen anderen Posten zu versetzen.

Dies wird von Hochwürden, der nicht zu Entschlussfreudigkeit neigt, abgelehnt und so kehrt Katz am nächsten Tag zu seiner Tätigkeit zurück. Im Verlauf der Geschichte kann er seine Sucht nicht mehr alleine durch die zu Ihm nieder strömenden Düfte befriedigen und er behilft sich mittels eines fast phallisch geformten Taschenspiegels, um in noch dunklere, geheimnisvollere Sphären vorzudringen.

Aber „Fräulein Stark“ berichtet nicht im Stile eines Entwicklungsromans vom Weg eines Knaben zum Jüngling mittels sexueller Initiation sondern die erotischen Anspielungen verdeutlichen die Sprachlosigkeit der Generationen, wenn es um Körperlichkeiten geht.

Im Laufe der Geschichte erfahren wir, dass sich Katz und Fräulein Stark kennen, ja sogar einst gemeinsam eine Wanderung machten und aus der Anfangs eher feindlichen Beziehung entsteht Freundschaft und Komplizenschaft.

Ein Tabu-Thema, und nicht nur in der Schweiz der 60er Jahre, ist der latent vorhandene Antisemitismus. Wir erfahren, dass Katz jüdische Vorfahren hat, was Ihm aber vorenthalten wurde, und das sein Onkel versucht, diesen „Makel“ dadurch zu vertuschen, dass er sich mit Haut und Haar der stockkonservativen Kirche verschrieben hat. Der Plan der Eltern, Katz nach den Sommerferien in einen Klosterstift zur Erziehung zu geben, verfolgt das gleiche
Ziel der Verleugnung der jüdischen Wurzeln zugunsten übertriebenem Katholizismus.
Katz erfährt über seine jüdischen Vorfahren mütterlicherseits nur bruchstückhaft durch seinen Onkel. Gleichzeitig erlebt er aber die Haltung der Hilfsgeistlichen ihm gegenüber und sieht, welchen Respekt sein Onkel genießt. Ohne eine wirkliche Wahl zu haben, da ihm viele Dinge nicht bekannt sind und auch auf Grund der Umwelt, die ihm erwünschtes, moralisch-ethisches Verhalten vorlebt, beschließt er sich anzupassen, nicht aufzufallen um nicht den Wünschen seiner Eltern zuwider zu handeln.

Kennen Sie noch den Kabarettisten Emil Steinberger, Erschaffer der Kunstfigur „Emil“, der seit Anfang der achtziger Jahre mit großem Erfolg auch in Deutschland Auftritte absolvierte? So ähnlich klingt der Vortrag von Thomas Hürlimann, allerdings mit dem großen Unterschied, dass sein Vortrag nicht witzig ist, obwohl der Roman mit ironischen Anspielungen und Seitenhieben gespickt ist. Thomas Hürlimann bevorzugt einen getragenen, ruhigen, ja manchmal fast leisen Vortragsstil, der zwar nicht einschläfernd oder ermüdend wirkt, allerdings zu erhöhter Konzentration zwingt und gelegentlich an einen Geistlichen erinnert, der seine Litanei herunter betet. Dies mag an seiner Schulausbildung in einem Klosterstift liegen oder auf Grund des Themas gewollt sein, macht es aber dem Hörer dieses ohnehin schon artifiziellen Textes nicht gerade leichter, den Überblick zu wahren. Somit bietet sich dieses Hörbuch weniger als Reisebegleiter, mehr als Abendschmankerl in ruhiger Umgebung an.

Das Hörbuch besteht aus insgesamt 5 CDs mit einer Gesamtlauflänge von ca. 319 Minuten. Technisch einwandfrei hat der Verlag beim Tracking einen Fauxpas begangen, in dem er pro CD nur einen Track mit je einer Länge von ca. 60 Minuten erzeugt hat. Somit ist es für den Hörer fast unmöglich, nach einer Pause nahtlos weiterzuhören, sondern er muss einen unnötigen Zeitaufwand betreiben, um an der Unterbrechung mit der Lesung fort zu fahren. Dies steht der Idee eines mobilen Genießens von Literatur kontraproduktiv entgegen.

Der CD liegt noch ein 8-seitiges Heftchen bei, welches allerdings nur auf zwei Seiten Informationen zum Text enthält. Die anderen Seiten sind mit Presse-Stimmen und Werbung für weitere Werke von Hürlimann gefüllt.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Die Geschichte des jungen Ich-Erzählers, der vor dem Eintritt in die Klosterschule seine letzten großen Sommerferien in der weltberühmten Bibliothek seines Onkels als »Pantoffelministrant« verbringt, ist die wunderbare Liebesgeschichte eines Pubertierenden, der beim Übertritt zum Erwachsenwerden sich selbst, seiner Herkunft und den Geheimnissen der in der Bibliothek beschlossenen Welt auf die Spur kommt. Die Novelle ist auch ein Fenster zurück in die frühen 60er Jahre, ein Denkmal, das mit Humor und Genauigkeit eine Zeit festhält, die, wie der vorlaut-kleinmütige Protagonist, an der Schwelle zu einem Aufbruch in eine neue Epoche steht


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