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Bertolt Brecht - Die Mutter

Bertolt Brecht
Die Mutter
Nach dem Roman von Maxim Gorki

Deutsche Grammophon, 2006
Anzahl CDs: 2
Laufzeit in Minuten
Aufführung
Sprecher: Therese Giehse, Otto Sander, Bruno Ganz, Jutta Lampe, Heinrich Giskes


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Proleten

Bertolt Brecht - Die Mutter

Bertolt Brechts Schauspiel "Die Mutter" nach einem Roman von Maxim Gorki spielt im Jahr 1905 im zaristischen Rußland. Ausgangspunkt der Erzählung ist eine trostlose Industriearbeitervorstadt, in der die Arbeiter tagein und tagaus ein entbehrungsreiches, hartes, elendes Leben führen. Immer längere Arbeitszeiten und Lohnkürzungen führen zur sozialen Verelendung ganzer Familien.

Als der Direktor der Fabrik beabsichtigt wieder die Löhne zu kürzen, versucht eine kommunistische Gruppe einen Streik zu organisieren. Dieser Gruppe hat sich auch Pavel, der Sohn der Arbeiterwitwe Pelagea Wlassowa, angeschlossen.

Bei einem geheimen nächtlichen Treffen in der Küche der Pelagea Wlassowa beschließt die Gruppe, dass Pavel die verbotenen Flugblätter in die Fabrik schmuggeln soll. 

Die Mutter versucht vergeblich Pavel seine Sympathie mit der marxistischen Gruppe auszureden. Als während der geheimen Sitzung plötzlich eine Hausdurchsuchung stattfindet und die Polizei äußerst brutal vorgeht, entscheidet sich die Mutter ihren Sohn zu beschützen und Pavels Aufgabe zu übernehmen. Am nächsten Tag verteilt sie an seiner statt die Flugblätter, die zum Streik gegen die Lohnkürzung aufrufen. Die Maidemonstration wird zum Wendepunkt im Leben der Mutter. Hat sie bislang geglaubt, dass die zaristische Polizei sich gesetzestreu verhält und nicht gegen friedliche Demonstranten vorgeht, so wird sie nun eines Besseren belehrt. Als der Träger der roten Fahne erschossen wird, ist sie es, die die Fahne ins Ziel trägt. Pavel wird verhaftet und die Mutter versteckt sich bei dem antikommunistischen Lehrer Wessowitschkow. Die Mutter gerät immer stärker unter den kommunistischen Einfluss und engagiert sich immer mehr für die Partei. Sie lernt sogar lesen und schreiben. Auch der Lehrer Wessowitschkow wandelt sich allmählich zu einem Kommunisten. Bei den Unruhen der Bauern- und Arbeiteraufstände im Herbst 1905 setzt sich die Mutter engagiert an die Spitze, um Bauern und Arbeiter zu vereinen. Selbst dem Gutmetzger erschließt sich die Wahrheit und er wird ein Kommunist.

An der Hinrichtung ihres Sohnes Pavel zerbricht die Mutter. Der schrecklich drohende Krieg treibt sie jedoch noch mal hoch. Für die Bolschewiki geht sie gegen den Krieg auf die Straße und versucht die Unvernunft des Krieges zu enthüllen, den Vernichtungsfeldzug gegen die Arbeiter, die nun, statt sich zu einen, aufeinander schießen.
Aber sie verliert gegen die Einfalt der Gesellschaft.
Im Oktober 1917 ist der Zar entmachtet. Die russischen Proletarier haben das Sagen.

Was für ein proletarischer Roman und was für ein proletarisches Schauspiel. Die Mutter. Eine Arbeiterwitwe, die sich in dem zaristischen Rußland durch den Einfluss revolutionärer Kräfte zur Wegbereiterin und Trägerin der Ideen des Kommunismus entwickelt. Schlicht zur proletarischen Mutter. Die Vernunft bietet den verlässlicheren Kodex und ersetzt den Glauben. Ob der Lehrer Wessowitschkow oder der Gutmetzger. Auch sie erkennen schließlich die „Wahrheit“, die einzig im Kommunismus liegt. Selbstlos hat sich der Sohn Pavel heldenhaft für die verzweifelte Arbeiterklasse und die Partei geopfert.


Die gesellschaftskritische Milieustudie des Autors greift zu kurz, denn sie liefert lediglich eine schwarz-weiß Projektion auf die Klassengegensätze. Die menschliche Vernunft als Meilenstein verkehrt sich aber in dem Moment ins Gegenteil, wo die einzige Erkenntnis und das einzig Wahre nur noch der Kommunismus ist. Ein Schritt in Richtung Stalins Totalitarismus. Nicht weniger radikal ist die Stimmung des Theaterstücks von Brecht. Die Lobgesänge auf den Kommunismus, die Revolution und die Partei liefern ein Häkelwerk der „proletarischen Gerechtigkeit“. Tatsächlich gelingt es Brecht durch diese Zwischengesänge jedwede emotionale Bindung zu den Charakteren zu unterbinden. Episches Theater pur. Die Besetzung der Sprecherrolle der Mutter mit Therese Giese ist besonders gut gelungen. Einfach ausdrucksstark und glaubwürdig. Die eingeschobenen Sprechertexte entsprechen gut dem zeithistorischen Kontext.

Die Komposition der Musik mit dem jeweiligen gesprochenen Text passt zielgenau zur revolutionären Stimmung. Eine gut inszenierte Hörkomposition, die einem glaubhaft macht, im Theater zu sitzen.

Rezensent: Soraya Levin







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