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Su Tong - Die Tränenfrau

Su Tong
Die Tränenfrau
Der Mythos von der treuen Meng

Berlin Verlag, 2006
Gebunden
320 Seiten
Übersetzer: Marc Hermann

Leseprobe 1 (pdf, 0.1 MB)


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Da bleibt kein Auge trocken

Su Tong - Die Tränenfrau

Lachen und Weinen liegen nah beieinander. Doch selten hat das Weinen solch drastische Maßnahmen zur Folge wie in Su Tongs Neubearbeitung des über 2000 Jahre alten chinesischen Mythos „Von der treuen Meng“. Anlässlich des Begräbnisses eines vom Kaiser in die tiefste Provinz verstoßenen Verwandten pilgern alle Einwohner von Pfirsichdorf zum Friedhof. Auf Grund des hohen Status des Verstorbenen weint so mancher Krokodilstränen aus Angst vor den Behörden, die sogar Soldaten zum Friedhof geschickt hat. Bei der Rückkehr in die Dörfer stellt sich jedoch heraus, dass diese aus einem völlig anderen Grund aufmarschiert sind: jeder, der geweint hat, wird verhaftet und ohne großes Federlesen zur Zwangsarbeit verschleppt.

Ab diesem Zeitpunkt bleiben die Augen der Dörfler trocken; geweint wird aber trotzdem – nur über andere Körperteile: manche Frauen weinen über die Lippen, die Füße oder die Haare. Doch wie so vieles hat alles seine zwei Seiten: ständig sieht man irgendwo einen Mann Wasser lassen. Der erhöhte Harndrang hat den angenehmen Nebeneffekt, das die Ausmaße der Männlichkeit beneidenswerte Dimensionen erreicht; diejenigen Frauen, die über die Brüste weinen, werden zu begehrten Heiratskandidatinnen.

Grimmelshausen in China



Der asiatischen Tradition verpflichtet bindet Su Tong auch metaphysische Elemente in seine Variante des Mythos ein. Eine Kröte wird zur Widergeburt einer Alten, die verzweifelt auf der Suche nach ihrem zwangsverpflichteten Sohn ist; Hirsch- und Pferdemenschen bevölkern
Häufig flicht Su Tong skurrile Gepflogenheiten mittels witziger, trauriger oder anrührender Anekdoten in die berückend liebreizende Rahmengeschichte ein, die wegen ihrer Deftigkeit so manches mal an die klassischen Schelmenromane wie „Grimmelshausen“ erinnern. Eine der ersten ist die Anekdote, wie neugeborene Mädchen zu ihren Namen kommen:

„Der Vater muss sich 33 Schritte von der Haustür bewegen, um nicht ein tödliches Unheil auf sein Kind zu ziehen. Hastig…schritt er die 33 aus, und was er dann auf der Erde sah, das war seine Tochter… Die meisten … waren Pilze, Flechten, Heu… eine Flussschnecke, eine Pfütze. Jene aber, die aus einem Kuhfladen, einem Regenwurm oder einem Käfer hervorgegangen waren, erwartete eine besorgniserregende Zukunft.“

Diese Anekdoten und metaphysischen Elemente verbindet Su Tong mit einem treffenden Bild der damals herrschenden politischen, sozialen und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Feudalherren regieren absolutistisch; die Bürger, die in Lohn und Brot stehen und noch so niedrige Arbeiten verrichten, unterdrücken die auf der sozialen Leiter noch tiefer stehenden; Adlige sind herzlos, grausam und dumm; Frauen prostituieren sich, werden von ihren Ehemännern geschlagen und müssen niedrigste Arbeiten verrichten; Männer rauben, vergewaltigen, morden; die Soldaten sind obrigkeitshörig, mitleidslos und brutal. Es scheint, dass nur die einfache Dorfschönheit Binu ethische und moralische Werte hochhält, welche von den Anderen ignoriert oder in die jeweils brauchbare Form gebracht werden. Doch mit wem Binu auch in Kontakt gerät, kurzzeitig verändert sich diese Person. Sie bringt Gefühle und längst vergessen geglaubte Ansichten und Tugenden selbst bei den abgebrühtesten Gesellen. Diese Wandlungen sind zwar meist nicht von langer Dauer, werden von Su Tong jedoch sehr rührend, aber ohne jede Sentimentalität, beschrieben.

Die Kombination all dieser Elemente, die Andersartigkeit der sich von der westlichen Mentalität unterscheidenden Glaubens- und Religionswelt, die Exotik des Schauplatzes und das Gefühl des Autors für präzises Timing führen dazu, dass „Die Tränenfrau“ zum neuen Flaggschiff der Reihe „Mythen“

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

»Die Geschichte der Meng, einer Frau, die mit ihren Tränen die Große Mauer zum Einsturz bringt, ist weniger eine traurige als vielmehr eine optimistische Geschichte. Und sie erzählt weniger von einer Frau, die mit ihren Tränen ihre endlos lange Odyssee auf der Suche nach ihrem Mann beendet, als vielmehr von einer Frau, die sich mit ihren Tränen aus einer ungeheuren Bedrängnis befreit.« Su Tong


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