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Colum McCann - Zoli

Colum McCann
Zoli


Argon Verlag, 2007
Anzahl CDs: 8
Laufzeit in Minuten 616
gekürzte Lesung
Sprecher: Ulrich Matthes, Rosel Zech
Übersetzer: Dirk van Gunsteren

Hoerprobe 1 (mp3, 1.4 MB)

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„In der Not muss ein Brunnen lernen, Pisse zu saufen“

Colum McCann - Zoli

„Sie [Zolis Sippe] waren von den Hlinka-Garden auf’s Eis getrieben worden. Rings um den See wurden Feuer entzündet und MG’s aufgebaut, so dass sie nicht fliehen konnten. Als es gegen Mittag immer wärmer wurde, zwang man sie, die Wohnwagen in die Mitte des Sees zu fahren. Das Eis brach, die Räder versanken, und der Rest folgte ihnen: Wohnwagen, Pferde, Harfen. Ich habe es nicht mit eigenen Augen gesehen meine Tochter, aber in Gedanken konnte ich es hören.“ Die gealterte Roma Sänger- und Lyrikerin Zoli erzählt 2003 ihrer Tochter die Geschichte ihres Lebens. Sie beginnt mit dem Mord an ihrer Sippe in den 30-er Jahren. Damals war sie 6 Jahre alt. Nur ihr Großvater und sie überlebten, weil sie sich zum Zeitpunkt des Massakers im nahegelegenen Städtchen aufhielten, um Tauschhandel zu betreiben. Ohne Bindung an andere Roma reisen die beiden auf Schleichwegen durch die Tschechoslowakei, um dem Genozid zu entgehen – es wird zwei Jahre dauern, bis sie sich wieder einer Gruppe anschließen.

Zolidaritätszuschlag

Neben Zoli spielt der Engländer Stephen Swann (was hat den Autor geritten, diesen schwer vorbelasteten Namen zu verwenden) eine große Rolle. Nach Ende des Krieges reist der idealistische Kommunist auf Einladung eines berühmten Autors in die Tschechoslowakei: er soll die Lieder der Roma auf Tonband aufnehmen, um sie der Nachwelt zu erhalten. Bei seinen Recherchen stößt er auch auf Zoli, die weithin Berühmtheit für ihre unorthodoxe Interpretation der alten Lieder erlangt hat. Gleich bei ihrem ersten Treffen verliebt er sich in die mittlerweile mit einem Greis verheiratete Zoli; später werden sie zu einem Liebespaar. Doch ihre Liebe muss geheim bleiben: eine Roma darf nur einen Roma heiraten.

Drei Erzählperspektiven verwendet Colum McCann in seinem Roman. Zum einen erzählen die beiden Protagonisten aus ihrem Blickwinkel die Geschehnisse, zum zweiten benutzt er den klassischen, allwissenden Beobachter. Diesen verwendet er häufig, um politische Geschehnisse, verbindende Zeitelemente oder Erlebnisse der handelnden Figuren zu berichten. Beispielsweise erfahren wir die Flucht Zolis in den Westen aus diesem Blickwinkel. 
Der Argon-Verlag lässt durch zwei hochklassige Sprecher diese drei Aspekte darstellen: Rosel Zech spricht Zoli, Ulrich Matthes sowohl Stephen Swann als auch den außenstehenden Erzähler. Größtenteils funktioniert diese Arbeitsteilung. Doch besonders in diesem, dem dichtesten und kraftvollsten, Teil des Romans, der von Zolis Flucht handelt, wäre es angebracht gewesen, Rosel Zech sprechen zu lassen. Ihre altersweise Stimme hätte dieser Passage besser zu Gesicht gestanden. 
Bei Ulrich Matthes vermisst man allzu sehr die konsequente Darstellung der metaphysischen, halluzinatorischen Komponenten dieser klangvoll an klassische Epen angelehnten Metaphern. 

Beispielsweise geht die Wirkung der Darstellung eines riesigen Hirtenhundes als Sinnbild des aus der griechischen Mythologe entnommenen Cerberus völlig verloren. Neben diesen kleinen Patzern, die man im Grunde genommen Ulrich Matthes nicht zur Last legen kann, überzeugt er wieder einmal auf ganzer Linie. Seine sowohl einen jungen Mann als auch Greis epigonal darstellende Ausdrucksweise bildet einen geschickt gesetzten Kontrapunkt zu Rosel Zechs kantestierender Sprechform. 

Rosel Zech hat ihre stärkste Stelle gleich zu Beginn des Hörbuches, als sie von dem Massaker an ihrer Familie berichtet. Mit zittriger Stimme rührt sie den Hörer an, ohne tränenreich oder Mitleid heischend zu klingen. Zoli hat selber jahrelang ihren Verlust betrauert und bedarf als alte Frau keines wie auch immer gearteten Zuspruchs mehr.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Zoli Novotna ist Roma, geboren vor dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe von Bratislava. Als junges Mädchen überlebt sie den Holocaust in den Wäldern und lernt ausgerechnet dort lesen und schreiben. Nach Kriegsende beginnt sie, die Gesänge ihres Volkes in Gedichtform zu publizieren. Doch sowohl ihrer Familie als auch der sozialistischen Regierung sind ihre freisinnigen Texte bald ein Dorn im Auge – und ihre Sippe verstößt sie. Auch ihr Geliebter, der irische Journalist und Ethnologe Stephen Swann, verrät sie, weil er Repressalien fürchtet. Sie ist allein, eine Verfemte. Mit nichts als dem, was sie am Leib trägt, macht sie sich auf in jenen Westen, in dem es wahre Freiheit geben soll. Drei Jahre dauert ihre Reise; sie führt durch den Eisernen Vorhang, ihr Ziel ist ungewiss. Und noch länger wird es dauern, bis Zoli ihren verräterischen Geliebten wieder trifft …

Dies ist ein groß angelegtes Panorama Europas zur Zeit des Kalten Krieges: poetisch-melancholisch, magisch, in einer Sprache, die einen erschauern lässt. Doch zuallererst ist es die Geschichte einer starken jungen Frau, die sich gegen alle Widerstände durchsetzt.


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