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Feridun Zaimoglu - Leyla

Feridun Zaimoglu
Leyla


Random House Audio, 2006
Anzahl CDs: 6
Laufzeit in Minuten 440
gekürzte Lesung
Sprecher: Feridun Zaimoglu

Hoerprobe 1 (mp3, 1.9 MB)
Hoerprobe 2 (mp3, 3.8 MB)
Hoerprobe 3 (mp3, 0.5 MB)
Hoerprobe 4 (mp3, 1.1 MB)

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Möge Gott mich von diesem Mann erlösen

Feridun Zaimoglu - Leyla

Idyllisch beginnt Zaimoglus Roman „Leyla“: ein Kind wird liebevoll von seiner Mutter mit Pfirsich- und Melonenstücken gefüttert. Doch nach nur wenigen Sätzen wechselt die Stimmung, wird bedrohlich. Doch worin diese besteht, wird noch nicht konkret fassbar – bis zur geflüsterten Warnung: der Vater kommt! Kaum überschreitet der Hausherr die Türschwelle, bricht Gewalt über das Heim herein. Der wie eine Naturgewalt entfesselte Vater prügelt in blinder Wut auf seine Kinder ein: „Ihm ist egal, wohin er schlägt – Hauptsache er trifft!“

„Leyla“ ist kein autobiographisches Buch. Manche Geschehnisse erinnern an den Lebenslauf des Autors, doch trifft dies auch für viele andere Türken seiner Generation zu, die als Gastarbeiter nach Deutschland kamen. Der augenfälligste Unterschied ist natürlich, dass es sich bei der Hauptperson um ein türkisches Mädchen handelt. Die meisten Romane männlicher Autoren über weibliche Protagonisten scheitern daran, dass diese ihre weiblichen Romanfiguren so konstruieren, wie Männer glauben, dass Frauen denken bzw. handeln. Feridun Zaimoglu führte, um sich in diese für ihn fremde Welt versetzen zu können, zahllose Interviews mit seiner Mutter, seinen Großmüttern, Tanten und Cousinen. Wie nebenbei erfuhr er so auch zahlreiche Details über die soziologischen, religiösen und gesellschaftlichen Gegebenheiten in den 50-er und 60-er Jahren in Anatolien.



Kein „Kampf der Kulturen“



Was neben den filigran und vielschichtig gezeichneten Figuren größte Hochachtung verdient, ist, dass der Erzähler völlig wertfrei bleibt. In einem gewissen Rahmen könnte die Handlung in jedem Land spielen, in dem ein gewalttätiger und cholerischer Vater sich als „das Gesetz“ sieht
und für den gesellschaftliche Ethik und Moral keine Rolle spielt. Völlig bewertungsfrei schildert er den Kampf einer Tochter heraus aus der Unterdrückung zur Selbstbestimmung. Stilistisch bewegt sich Feridun Zaimoglu zwischen orientalischem Märchen und realistischem Entwicklungsroman, benutzt Zeitsprünge und Nebenfiguren und/oder -handlungen für die Darstellung eines realistisch wirkenden Zeitporträts. Bei dieser Vielfalt von Erzählstilen und literarischen Finessen verliert er niemals den roten Faden aus den Augen: der Erzählstrang bleibt straff gespannt, ein Sich-Verlieren in der Erzählung wie beispielsweise in „Die dunkle Seite der Liebe“ wird geschickt und unaufdringlich vermieden. Des Weiteren findet kein Vergleich zwischen östlicher und westlicher Lebens- und Denkart statt. Zeitgenössische geschichtliche Geschehnisse fließen nur soweit in den Roman ein, wie sie dem Verständnis der damaligen Verhältnisse dienen. Überfordert wird der Hörer dadurch nicht wie es beispielsweise im Hörspiel „Rot ist mein Name“ nach dem gleichnamigen Roman von Orhan Pamuk geschehen kann wegen zu starker Straffung.
„Leyla“ ist eine zutiefst positive Geschichte, die nicht Unterschiede verdeutlicht sondern Gemeinsamkeiten betont.



Emotional und Unmoralisch



Das bei Random House Audio erschienene Hörbuch wird vom Autor selber gelesen. Auch hier vermeidet er geschickt eine moralische Wertung der Geschehnisse. Dabei liest er jedoch nicht emotionslos, sondern weiß mit seiner Stimme Akzente zu setzen. Besonders gut gelingen ihm dabei die unterschiedlichen verbalen Darstellungen der harten Welt der Männer und die fröhlichere, ausgelassenere Welt der Frauen (solange kein Mann in der Nähe ist). Dabei vermittelt er gekonnt die unterschiedlichen Stimmungen und Gefühlswelt der gerade erzählten Handlung. Beispielsweise kann der Hörer problemlos schon am Anfang des Romans erkennen, dass eine Bedrohung auf die Ehefrau und Kinder zukommt, bevor diese namentlich erwähnt wird. Jedoch schafft es Feridun Zaimoglu, in Ko-Funktion als Sprecher und auktorialer Erzähler, unabhängig von den geschilderten Ereignissen beide Ebenen zu vereinen, ohne den Hörer zu langweilen, zu überfordern, zu belehren oder eine moralisch-ethische Wertung abzugeben – dies überlässt er ganz allein dem Hörer.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Feridun Zaimoglu wirft den Blick auf eine anatolische Kleinstadt in den 1950er Jahren. Hier wächst Leyla im engen Kreis der Familie auf und hegt einen großen Wunsch: Sie will dieser Welt entkommen. Mit epischer Kraft, einer farbenprächtigen und archaischen Sprache erzählt Zaimoglu vom Erwachsenwerden, dem Zerfall einer Familie und von einer fremden Welt, aus der sich viele als Gastarbeiter nach Deutschland aufmachten.

Feridun Zaimoglu begeistert seit Jahren mit seinen Lesungen und liest auch "Leyla" selbst.


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