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„Dieser Roman ist reine Fiktion, bis auf die Passagen, für die das nicht gilt.“Michael Crichton - Next„Was kommt als Nächstes“ fragt man sich nach der öden Lektüre des Romans „Next“.
Crichtons Roman „Beute“ (Dezember 2002) war im Grunde genommen ein klassisches Horrorszenario, bei dem die wild gewordenen Bienen, Fledermäuse oder Ameisen durch Nanomaschinen ersetzt wurden. Sowohl der Protagonist, ein arbeitsloser Biotechnologe namens Jack, als auch der Handlungsverlauf wusste zu fesseln.
Im Nachfolger „Welt in Angst“ (Januar 2005) beschwor er eine durch Umweltorganisationen herbeigeführte Klimakatastrophe herauf. Mehrere Protagonisten mussten die Story tragen, was auch weitestgehend gelang. Lies man sich auf das hypothetische Szenario ein, wurde man gut unterhalten. Etwas nervig war in diesem Roman der ständig im Hintergrund mahnende Zeigefinger des Autors.
In „Next“ geht er noch einen gewaltigen Schritt weiter, sehr zum Unwillen des Lesers.
Gefahren der Gentechnik … zum Gähnen
Seinem Roman schickt Crichton o. g. Sinnschrift voraus: der Leser hat also keine Möglichkeit zu erkennen, was bereits gentechnisch möglich ist und was nicht. Nun soll Fiktion in allererster Reihe unterhalten. Der Wahrheitsgehalt spielt in der Regel, sofern die Geschichte einen logischen Handlungsverlauf hat, keine Rolle. Hier haben wir es mit einer Ausnahme zu tun, weil Crichton schon im Roman durch die Auswahl der Beispiele manipulativ vorgeht: positive Entwicklungen, die sich durch die Gentechnik ergeben könnten, kann man mit der Lupe suchen. Stattdessen fährt er alles auf, was man in vereinzelt schon in nach Aufmerksamkeit heischenden Massenmedien, meistens während des „Sommerlochs“ gelesen hat. Gentests wegen: Vaterschaftsklagen, Überführung von Verbrechern oder Sorgerechtsprozessen; unerlaubte Menschenversuche durch Gabe eines „Reifegens“; Mord durch Gabe eines Biologikas; Diebstahl und Verkauf von als Knochenmarkspender geeigneten Leichenteilen durch korrupte Bestattungsunternehmer; Verkauf von Gewebeproben für Milliardenbeträge, ohne Information des „Spenders“ durch geldgeile Forscher; Flucht von genmanipulieren Labortieren in „die freie Natur“ usw. All dies und mehr bringt Crichton auf knapp 510 Seiten unter – und vergisst dabei zwei wichtige Dinge, die für den Leser elementar sind: lebendige Figuren und spannenden Handlungsverlauf. Jedem Problem ist mehr oder weniger eine Person zugeordnet. Da bleibt keine Zeit mehr für Personenentwicklung. Und so springt Crichton von einem Protagonisten zum nächsten, ohne das der Leser ein System erkennen kann.
In den Roman eingebaut sind zahlreiche „Zeitungsartikel“, statistische Daten, Zitate von Wissenschaftler etc., welche den Eindruck erwecken könnten, Crichtons Behauptungen sind wissenschaftlich beweisbar. Diesen Eindruck verstärkend, verweist er im Anhang auf eine Vielzahl von Quellen (in Englisch). Einmal davon abgesehen, dass es sich häufig um englischsprachige Quellen in medizinischen Fachzeitschriften handelt, auf welche die wenigsten Leser Zugriff haben dürften, handelt es sich bei „Next“ um einen Roman und nicht um eine Streitschrift Pro oder Contra Gentechnologie. Deswegen sucht man vergeblich im Text nach Marginalien, welche auf die entsprechende „Quelle“ verweist.
Fazit: Manipulatives, als Roman getarntes populärwissenschaftliches Buch ohne erkennbare Handlung, roten Faden (außer der Verteufelung der Gentechnik) und schlecht ausgearbeiteten Charakteren.
Rezensent: Wolfgang Haan
Verlagsinformation
Die Jagd auf deine Gene hat schon begonnen
Noch nie war die Zukunft so bedrohlich nah wie in Michael Crichtons neuem Bestseller NEXT. In dieser Welt zählt nur eines: gutes Genmaterial. Und Gentechnologie-Unternehmen setzen alles daran, sich die Rechte an profitablem Gewebe zu sichern. Genau das wird Frank Burnet zum Verhängnis. Die Rechte an seinen Immunzellen hat BioGen Research erworben. Doch Burnet hat nicht vor, sein Gewebe zur Verfügung zu stellen, und so bleibt ihm nur die Flucht. NEXT ist ein rasanter Gen-Thriller, hochbrisant und brandaktuell.
3 Milliarden Dollar sind Frank Burnets Zellen wert. 3 Milliarden, von denen kein einziger Cent in seine Tasche fließen wird. Denn Burnet, gerade vom Knochenmarkkrebs geheilt, ist auf hinterhältige Weise von der Universitätsklinik in Los Angeles betrogen worden. Die Forscher entwickelten aus seinen Immunzellen eine Zelllinie, die zum Sieg über den Krebs beiträgt. Für viel Geld verkaufte die University of California die Rechte an dieser Zelllinie an BioGen Research Inc., ohne Frank Burnets Einverständnis einzuholen. Wütend zieht er nun gegen das Unternehmen vor Gericht – erhält aber nicht Recht.
Eines Tages sind plötzlich alle Burnet-Zelllinien im Labor der BioGen kontaminiert. Damit steht die Firma vor dem finanziellen Ruin. Steckt Frank Burnet hinter diesem Anschlag? Oder versucht ein skrupelloser Konkurrent das Unternehmen vom Biotech-Spielfeld zu verdrängen? Nur eine einzige Chance hat der Geschäftsführer Rick Diehl, um die BioGen vor dem Konkurs zu bewahren: Er muss Burnet noch einmal Gewebe entnehmen, doch da befindet der sich schon auf der Flucht …
Michael Crichton holt in NEXT die Zukunft in unsere Gegenwart – und zeichnet das schockierende Porträt einer Gesellschaft, in der die Wahrung der körperlichen Unversehrtheit kein Grundrecht mehr ist.
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