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Joey Goebel - Freaks

Joey Goebel
Freaks


Diogenes, 2006
Anzahl CDs: 4
Laufzeit in Minuten 260
gekürzte Lesung
Sprecher: Cordula Trantow, Jan Josef Liefers, Cosma Shiva Hagen, Feridun Zaimoglu, Charlotte Roche

Hoerprobe 1 (mp3, 1.5 MB)
Hoerprobe 2 (mp3, 0.6 MB)
Hoerprobe 3 (mp3, 1.5 MB)
Hoerprobe 4 (mp3, 1.7 MB)

Bestellen bei amazon.de

Von acht bis achtzig

Joey Goebel - Freaks

„Freaks“ – Diesen Namen gibt eine illustre Schar, vermeintlich, gesellschaftlich Ausgestoßener ihrer Rock-Pop-NewWave-Heavy-Metal-Band und der Name ist Programm.
Der Kopf der Gruppe ist der farbige Luster. Seine Brüder, alle mit dem Vornamen Gerome, dealen mit allem, was dealbar ist. Lusters Eloquenz ist unschlagbar, sein Zynismus trifft immer und vernichtet jedes Selbstbewusstsein und seine Aggressivität übertrifft den eines angeschossenen Tiger bei weitem. Nur Ember, ein 8-jähriges blondgelocktes Engelchen aus gut situiertem Hause, und das jüngste Mitglied, übertrifft mit ihrer apokalyptischen Zerstörungswut selbst Luster um Längen: Brandstiftung, Körperverletzung, Diebstahl gehören mit zu ihren liebsten Schul- und Freizeitbeschäftigungen. Ihre 80-jährige Babysitterin Opal, nymphoman und aufwieglerisch, ist die perfekte Aufsicht für den kleinen Racheengel. Der Iraker Ray ist das Weichei der Gruppe: emigrierte er doch nach Amerika um sich bei dem amerikanischen Soldaten zu entschuldigen, den er im Golfkrieg angeschossen hat. Letztes Mitglied ist die schöne Aurora, die im Rollstuhl sitzt und bei deren Anblick fast alle Männer nur daran denken, dass es eine Verschwendung ist, dass so ein schöner Körper halb gelähmt und für Sex untauglich ist; aber andererseits befindet sich ihr Kopf wegen der Sitzhaltung in einer optimalen Höhe für einen Blow-Job – besser als gar nichts.

American Pie trifft Blues Brothers



„Freaks“ trägt den Mantel einer politisch unkorrekten Gesellschaftssatire: bösartig, übertrieben sexistisch-frauenfeindlich, zynisch, blasphemisch, defätistisch. Doch schaut man wie ein Voyeur unter das Mäntelchen des vorgeblich kämpferischen Exhibitionisten, bleibt nur noch ein kaum wahrnehmbares Zipfelchen eines kritischen Anliegens. Das subtile Niveau des Romans befindet sich auf dem Level heutiger Krawalltalkshows, die Sätze und der literarische Stil sind kurz und knapp – man will ja keinen überfordern – und die Handlung ist ausufernd zusammenfassbar mit: fünf Menschen treffen sich zufällig, gründen eine Band, geben ihr erstes Konzert; beim ersten Song wird Ray angeschossen; die Geromes erschießen den Schützen vorsorglich – man weiß ja nie! Ende der Band, Ende der Freundschaften: Ray zieht zurück in den Irak, Opal tritt selber in einer der vormals gehassten Krawalltalkshows auf, Luster kommt in den Knast, Pfarrerstochter Aurora geht ins Kloster, Ember in ein Heim für schwererziehbare Kinder.
Selbst die Namen der Protagonisten sind plakativ: Luster = Glanz oder Ruhm; Ray = Strahlenkranz; Ember = Asche; Aurora = Morgenröte; Opal = schillernder Edelstein; Stein der Liebe und Hoffnung.



Plastische Chirurgie durch (fast) unendliche Anzahl der Sprecher



Das Hörbuch macht deutlich mehr Spaß als die Printausgabe. Dies liegt nicht daran, dass sich das Niveau des Romans auf wundersame Weise gehoben hat, sondern dass jeder einzelne der zahlreich im Buch vorkommenden Protagonisten von einem anderen, professionellen Sprecher vorgetragen wird; Luster von Jan Josef Lievers, Ray von Feridun Zaimoglu, Aurora von Cosma Shiva Hagen, Opal von Cordula Trantow und Ember von Charlotte Roche. 

Beispielsweise nimmt Feridun Zaimoglu dem verdrehten Deutsch von Ray jede Peinlichkeit, ja schafft es sogar, diese Passagen witzig zu gestalten. 

Die lieblich-naive Lesung der Person von Aurora durch Cosma Shiva Hagen wirkt anfänglich unpassend; letztendlich ist diese jedoch sehr genau auf den Charakter zugeschnitten, sofern man das endgültige Schicksal von Aurora kennt. 

Perfekt bildet Jan Josef Lievers die Arroganz Lusters wieder: Intellekt gegen Herkunft. Besonders gut kommt diese Einstellung bei dem Streitgespräch zwischen Luster und einem Restaurantbesucher zur Geltung und dann später, als er den Streifenpolizisten provoziert. Als Lusters Lebenstraum platzt, verändert sich auch die Art der Lesung: hoffnungsloser, trotziger aber sich bewusst, dass er in einen Strudel gezogen wird, aus dem er nicht mehr entkommen wird. 

Die ausgeprägteste Wandlung vollzieht sich bei Opal. Anfänglich eine Mischung aus verständnisvoller Oma, unkonventionellem grauem Panther voll ansteckender Fröhlichkeit und ausgeprägtem Harmoniebedürfnis mutiert sie zu einer aggressiven, peinlichen Witzfigur in einer Talkshow. Beide völlig verschiedene Personen mit fast entgegen gesetzten Schwerpunkten erfordern unterschiedliche Ausdrucksformen, die jedoch mit Bravour und glaubhaft von Cordula Trantow umgesetzt werden. 

Die Stimme Embers klingt nie richtig anwesend. Auch psychologische Untertöne nach dem Motto „Ich bin gar nicht böse, sondern möchte nur, dass du mich lieb hast“ wird man vergeblich suchen. Dies resultiert daraus, dass sie in einer eigenen Welt lebt, zu der nicht einmal ihre Freunde Zutritt haben. Das ihre Handlungen in „unserer“ Welt Konsequenzen haben, ist ihr bewusst, interessiert sie jedoch nicht. In ihrer Welt bestimmt sie die ethisch-moralischen Vorstellungen, Gefühle spielen nur eine Rolle, insofern sie daraus einen Vorteil zieht. Und so nimmt es auch nicht wunder, dass sie ohne große Anteilnahme den Fernsehauftritt Opals verfolgt.

Fazit: Das dieses Buch im puritanischen Amerika für Furore sorgte, verwundert nicht: Morde oder Obduktionen (C.S.I) zeigt man dort ohne Bedenken. Eine nackte Brust führt schon fast zu einem Verbot des Films. Und eine nymphomane 80-jährige, die nach dem Motto „je jünger, je besser“ ihre Liebhaber aussucht, in Verbindung mit Männern, die sich an der Vorstellung aufgeilen, mit einer Querschnittsgelähmten Oralsex zu haben, muss ja einschlagen wie einst der Geistesblitz in Archimedes. Das Buch- und Hörbuch wird polarisieren – und wird jetzt schon in Literaturkritikkreisen heftigst diskutiert.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

»›Freaks‹ besteht aus montierten Dialogen, ist gebaut wie ein einziger Aufschrei mit den Stimmen verschiedener Figuren. Goebel läßt seine Figuren sich selbst beschreiben durch die Art, wie sie reden. Dabei bekommen wir einen bunten Mix amerikanischer Alltags-Kultur. Kleinstadtmief, Vorgärten und Vorurteile. Popgroteske als generationenübergreifende Party, dieser Stilmix ist neu, ungewöhnlich, spannend und überzeugend. Und das, was man beim Lesen hört, bietet einem das Hörbuch durch die großartige Besetzung.«
Stefan Maelck / Norddeutscher Rundfunk, Hamburg


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