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John Updike - Terrorist

John Updike
Terrorist


Argon Verlag, 2006
Anzahl CDs: 7
Laufzeit in Minuten 498
gekürte Lesung
Sprecher: Ulrich Noethen
Übersetzer: Angela Praesent

Leseprobe 1 (pdf, 0.1 MB)

Hoerprobe 1 (mp3, 1.4 MB)
Hoerprobe 2 (mp3, 1.9 MB)

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Die Reinheit der Seele

John Updike - Terrorist

Der 18-jährige Ahmed lebt im Exil – und dass, obwohl er als amerikanischer Staatsbürger in Amerika lebt. Sein selbst gewähltes Exil resultiert aus seiner kontemplativ-religiösen Lebenseinstellung, die ihn, seiner Meinung nach, über die nach Nichtigkeiten strebenden Mitschüler und anderen Amerikaner erhebt. Ihm erscheint der Anblick der jungen Mädchen, deren Hosenbünde kurz oberhalb der Schamhaargrenze enden, als ekelhaft; er empfindet die Schülerinnen, von ihm als Huren bezeichnet, die ihre Brüste in viel zu engen Oberteilen zur Schau stellen, um die Männer zu lüsternen, unreinen Gedanken zu verführen, als schamlos; er verachtet das Streben der Gesellschaft nach Geld und Statussymbolen. Das er Exilant ist, weiß jedoch niemand; er spielt perfekt die Rolle des strebsamen, angepassten Jugendlichen mit guten Noten und Manieren; einziges offensichtliches Zeichen seines Andersseins ist seine äußerst gepflegte äußere Erscheinung: gebügelte schwarze Hosen und rein weiße Hemden.

Fanatiker



Alles in seinem Leben und Denken dreht sich um Reinheit. Um diese Reinheit zu erlangen und zu behalten kämpft er einen harten, einsamen Kampf – Unterstützung durch seine irisch-stämmige Mutter erhält er nicht, sein arabischer Vater verließ diese schon vor seiner Geburt. Sein einziger Freund und Vaterersatz ist Scheich Rashid. Fast täglich besucht er ihn in der schäbigen Moschee, um von seinem Vater im Geiste und Lehrmeister im Koran unterrichtet zu werden. Für Rashid sind alle Ungläubigen Feinde, ja er geht sogar bei einer Lehrstunde, in der Ahmed Zweifel an der Auslegung des Korans hegt, soweit, die Vernichtung dieser mit dem Ausmerzen von Insekten zu vergleichen und sie so zu rechtfertigen. Ahmed saugt die Worte des Imams dankbar auf, bewahrt aber trotzdem eine gewisse Distanz zu dem Gehörten. Er hasst die Ungläubigen nicht, er verachtet sie, leitet daraus seine Überlegenheit ihnen gegenüber ab – im Gegensatz zu seinem Imam ist er kein Fanatiker, der mit flammendem Schwert ein Fanal gegen den dekadenten Westen setzen will. Doch Toleranz gegenüber Andersgläubigen kennt er nicht, obwohl er wenig über andere Religionen weiß. Der Einladung einer Klassenkameradin zu einem Konzert des
Kirchenchores, in dem diese singt, folgend, erlebt er bewusst und fasziniert die Predigt des christlichen Geistlichen, auch dieser ein Fanatiker, aber in einem positivistischen Sinne. Im Gegensatz zu Scheich Rashid beschwört dieser jedoch das Gottvertrauen seiner Gemeinde herauf, um mit offenen Augen durch das Leben zu gehen, gegen Unrecht zu protestieren, Toleranz zu üben.



Anspruch und Wirklichkeit



John Updike versucht, Ahmed sympathisch darzustellen, was gründlich misslingt. Ahmed ist hochnäsig, ignorant, arrogant und herablassend – kurz: jemand, mit dem man nicht befreundet sein möchte. Bis zu einem gewissen Grad kann man das den pubertären Schwierigkeiten und der Suche nach eigener Identität zurechnen; allerdings fällt es schwer, diesen Einfluss bei einem 18-jährigen als Entschuldigung für alle Handlungen heranzuziehen. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und tatsächlicher Wirkung macht Ulrich Noethen dem Hörer während der Dauer der gesamten ersten CD deutlich. Seine Lesung wirkt merkwürdig kalt, distanziert, ja es fehlt der sonst übliche menschlich-warme oder unheilschwangere bösartige Ausdruck in seiner Stimme, die man bei der Vorstellung eines der Hauptcharaktere eines Buches gewöhnt ist. Erst nachdem Ahmed der Predigt beigewohnt hat und anschließend eine Lehrstunde bei seinem Imam geschildert wird, wird aus der arroganten Figur ein menschliches Wesen mit Zweifeln, Gefühlen und Unsicherheiten – allerdings befinden wir uns jetzt schon am Ende der zweiten CD. Dem Imam verleiht er genau die Stimme, die man bei der Charakterisierung von Updike erwartet: unnahbar, unnachsichtig, befehlsgewohnt und Widerspruch unterdrückend. 

Neben Ahmed und Scheich Rashid spielen der Schülerberater Jack Levy sowie Ahmeds Mutter Teresa wichtige Rollen. Levy ist, um drei der vier größten Weltreligionen in die Geschichte einzubinden, ist ein Jude, der vom Glauben abgefallen ist – wäre Teresa Buddhistin, wäre das Klischee vollständig. So bekommt Updike gerade noch die Kurve. Ein anderes Klischee vermeidet er nicht – Teresa und der verheiratete Levy haben schon nach Kurzem eine heiße Affäre. Auch hier hält sich Ulrichs Noethen Lesung stark an die literarische Vorgabe: der desillusionierte, sich nach einem Ausweg aus seiner beruflichen und privaten Situation sehnende, empfindsame Lehrerberater; Teresa als oberflächliche, unreine Frau; Hobbymalerin mit zahlreichen Geliebten in ihrem kurzen Leben.



Ungereimtheiten



Ein Roman ist Fiktion – in der Fiktion kann alles passieren. Der Hörer lässt sich gerne auf dieses Spiel ein; wenn es denn schlüssig ist. Dies ist hier nicht der Fall. Erstens fehlt ein Spannungsbogen. Das, was Updike vielfach in seinen anderen Werken gelungen ist, funktioniert hier nicht: trotz langer Vorstellungen werden die Protagonisten nicht lebendig, bleiben kantig; ihre Motivation wird erzählt, bleibt aber merkwürdig steril und selten nachvollziehbar. Beispielsweise besuchen Ahmeds Schule 2000 Schüler. Levy führt erst kurz vor dessen Schulabschluss ein Gespräch mit ihm und hängt ab da wie eine Klette an ihm, um ihn zu einem Collegebesuch zu überreden – wieso? Das Levy schon bei seinem ersten Hausbesuch Ahmeds unreine Gedanken bzgl. dessen Mutter hat, ist ja „typisch Mann“. Aber wieso steigt diese mit einem schmerbäuchigen Mittfünfziger ins Bett? Der Wandel Ahmeds in eine Killermaschine wirkt wie aufgesetzt nach dem Motto: so langsam muss ich ja meinem Buchtitel gerecht werden – ein Anschlag muss her. Und zuletzt: das Ende des Buches ist schlimmer als die Finale von „Independence Day“, „Wir waren Helden“ und „The Day After Tomorrow“ zusammen.

Fazit: „Terrorist“ hat, besonders in Amerika und England, eine kontroverse Diskussion ausgelöst: für die einen ist es ein mutiges Buch, für die anderen ein literarisch hochwertiger, aber missglückter Versuch, das Unfassbare fassbar zu machen.
Ich tendiere zu der Aussage, dass Updike Mut bewiesen hätte, wenn er das Buch nicht unter seinem Namen, sondern unter einem Pseudonym veröffentlicht hätte. Ich wage die Prognose, dass dann die Diskussion um dieses Buch nicht einmal zu einem Sturm im Wasserglas ausgereicht hätte.
Wer einen „klassischen Updike“ hören möchte, sollte zu „Landleben“ greifen. Wer gelungene Romane zum Thema lesen möchte, der greife zu Chris Cleaves „Lieber Osama“, Ian McEwans „Saturday“ oder Jonathan Safran Foers „Extrem laut und unglaublich nah“.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Ahmad ist achtzehn und lebt mit seiner irischen Mutter in New Jersey. Der Vater, ein Araber, hat die Familie früh verlassen, und Ahmad hat sehr darunter gelitten. Aber die Trennung der Eltern liegt lange zurück, und in New Prospect gibt es viele kaputte Familien. Außerdem ist Ahmad ein ausgezeichneter Schüler, redegewandt und klug. Genau von der Sorte, die im System der USA Karriere machen könnte. Doch Ahmad hat sich schon anders entschieden:
Konsequent kapselt er sich von seiner Umwelt ab und sucht im islamischen Fundamentalismus ein neues Zuhause. Bald ist er bereit, für den Glauben sein Leben zu opfern – und das Leben anderer.
Terrorist ist ein mutiges und zugleich besonnenes Buch. Es meidet Extreme und gibt nicht vor, die oft banalen Ursprünge des Terrorismus ganz ausleuchten zu können. Das Ergebnis ist eine Innenansicht von Terror und Fundamentalismus, die plakativen Schuldzuweisungen den Boden entzieht.

Terrorist ist einer der wichtigsten Romane John Updikes. Er erscheint in deutscher Übersetzung gleichzeitig mit der Originalausgabe zur fünften Wiederkehr des Datums «9/11».


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