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Ian McEwan - Saturday

Ian McEwan
Saturday


Diogenes, 2005
Anzahl CDs: 6
Laufzeit in Minuten 401
gekürzte Lesung
Sprecher: Jan Josef Liefers
Übersetzer: Bernhard Robben

Hoerprobe 1 (mp3, 2.8 MB)
Hoerprobe 2 (mp3, 1.1 MB)

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Hervorragende Story suboptimal umgesetzt

Ian McEwan - Saturday

Ein Mann steht am frühen Morgen am offenen Fenster und schaut zu, wie ein brennendes Flugzeug abstürzt. Er betrachtet dann seelenruhig seine noch schlafende Frau, unternimmt jedoch nichts weiter. Die Nachrichten werden schon etwas bringen. Und an seiner Arbeitsstätte, einem Londoner Krankenhaus, braucht er auch nicht anzurufen, obwohl er Arzt ist, denn – die vermutliche Absturzstelle liegt außerhalb der Einzugszone seiner Klinik.
So beginnt Ian McEwans neuester Roman „Saturday“, der 24 Stunden im Leben von Henry Perowne beschreibt, der nur eines möchte: sein kleines Glück im Schoß der Familie während seines freien Wochenendes zu genießen. Gleichzeit findet an diesem Tag, es ist der 15. Februar 2003, die bis dato größte Demonstration gegen den Irak-Krieg in London statt.

Philosophierender Rationalist



Ian McEwan weist fast plakativ seinen Protagonisten bestimmte Eigenheiten zu. Besonders auffällig ist das bei der Hauptperson, die rational und emotionslos handelt, Möglichkeiten und Alternativen abwägt und mit dem Status Quo eines Mitglieds der Oberen Mittelschicht glücklich ist. Ungewöhnlich für einen Rationalisten ist jedoch, dass er ständig scharf beobachtet, analysiert, philosophiert, Verknüpfungen herstellt kurz, die gewonnenen Erkenntnisse emotional verarbeitet. Man gewinnt fast den Eindruck, es hier mit einem Alter Ego des Autors zu tun zu haben. Vordergründig hat McEwan, wie viele andere Künstler auch, intensive Recherchen über die Hintergründe des 11.09. an Hand von Sachbüchern, Reiseberichten, ökonomischen Studien etc. angestellt. Aber statt nun eine wissenschaftliche oder zumindest populärwissenschaftliche Arbeit zu erstellen, gipfelt die Essenz seiner Vorarbeiten in diesem außergewöhnlichen Roman.



Sozialdarwinismus



Die Theorie des Sozialdarwinismus ist heutzutage obsolet. Geschickt verpackt taucht sie in abgewandelter Form nun in dieser Geschichte wieder auf: „Das ganze Leben ist ein Überlebenskampf. Nur ein winziger Schritt trennt Glück und Unglück, Dasein oder Untergang.“ Diese Thematik zieht sich durch den Roman wie ein roter Faden. Zu Beginn erzählt McEwan vom Operationsalltag, vom Kampf Henrys gegen den Tod. Er erzählt von den Demonstranten, die gegen den drohenden Krieg kämpfen, von seiner Tochter, die sich gerade zu einer hoch gelobten Lyrikerin hoch gekämpft hat. Sein Sohn hat sich, und das bereits mit seinen 18 Lebensjahren, die Hochachtung alter Blues-Veteranen erkämpft. Henry kämpft auf der Squash-Cour gegen die drohende Niederlage durch seinen Kollegen und sieht sich nach einem Auto-Unfall dem gegnerischen Fahrer gegenüber, mit dem er einen Kampf darüber befürchtet darüber, wer jetzt der Schuldige ist. 

McEwan beantwortet an keiner Stelle die Frage, wer nun gewinnt oder verliert. Dies ist weniger wichtig. Wichtig scheint ihm vielmehr zu sein, dem Hörer klar zu machen, dass uns von allen Seiten Gefahren drohen, die durch die Anschläge des 11.09. eine weitere Dimension bekommen haben. Viele Menschen streben heute nach Unabhängigkeit und Individualismus und McEwan holt uns in die Realität zurück, in dem er uns klar macht, dass es schon reicht, Mitglied einer Gesellschaft zu sein, um als Opfer in Frage zu kommen. Individuelle Schuld ist nicht nötig. Die zweite große Frage, die er aufwirft, hat mit den Einschränkungen der persönlichen Freiheit durch Eingriffe des Staates zu tun. Wie beiläufig wird in Nebensätzen oder Andeutungen davon berichtet, dass fast die ganze Innenstadt Londons durch Kameras und Satelliten überwacht wird; das Rasterfahndungen durchgeführt werden etc. etc. die der Allgemeinheit dienen, allerdings auch den Bürger überwacht, der mit Terroranschlägen überhaupt nichts zu tun hat und wobei nicht klar ist, was mit den gesammelten Daten geschieht.



Kurzatmigkeit



Wie so häufig handelt es sich bei dem vorliegenden Hörbuch um eine Lesefassung, wurde also gegenüber dem Roman gekürzt. Diese Kürzungen sind, zumindest teilweise, nicht gut gelungen. Es wurden zwar keine Handlungsstränge weggelassen, allerdings stark verkürzt so dass sie nicht mehr die volle literarische Wucht besitzen. Dies wird bereits am Anfang des Hörbuches deutlich, als Henry beobachtend am Fenster steht. In einem kurzen Satz wird der ganze Kampf der Passagiere ums Überleben abgetan: „… kein Passagier kann im Mittelteil noch Leben…“ Im Original verwendet der Autor viel Zeit darauf, Henry imaginierten zu lassen, welche Tragödien sich im Rumpf des Flugzeuges abspielen, welche Kämpfe.

Gelesen wird das Hörbuch von Jan-Josef Liefers, dessen Interpretation des Romans ungewöhnlich ist. Zum einen verleiht er dem Ganzen einen sinistren, unheilsschwangeren Unterton, der dem Roman nicht innewohnt. Seine Stimme klingt unpassend hell und zu leise; er pausiert an ungewöhnlichen Stellen und so häufig, dass man sich als Hörer manchmal fragt, wo denn nun die Ursache für die bedeutungsschwangere Unterbrechung liegt. Aber als das störendste Element wurden von mir die ungewöhnlich häufigen und lauten Atemgeräusche empfunden, die so klangen, als ob Hr. Liefers an Atemnot oder Kurzatmigkeit litte.

Fazit: Ein hervorragend inszenierter Roman mit schlüssigen Figuren, packenden Beschreibungen und wunderbar detaillierten Innenwelten, jedoch unglücklich gekürzt und suboptimal vorgetragen.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

»Wer nicht lesen will, muss hören: Ian McEwans bestes Werk! Jan Josef Liefers Stimme lauscht man gern 401 Minuten lang.«
Style, Zürich

»Mit dieser Interpretation hat sich Jan Josef Liefers in die erste Reihe der deutschen Sprecher katapultiert.«
Rainer Kasselt / Sächsische Zeitung, Dresden

»Wie aus Neurochirurgie, internationalem Terrorismus und familiären Wechselfällen ein gänzlich unnormaler Samstag wird, geht Jan Josef Liefers knapp, unpathetisch und mit ganz leisem Sarkasmus ziemlich leicht über die Lippen.«
WAZ, Essen

»Die Rolle des Neurochirurgen Henry Perowne spricht Jan-Josef Liefers überzeugend. Ein großartiges Hörbuch, das wir mit Leidenschaft propagieren.«
Die Weltwoche, Zürich

»Ein weises und treffendes Bild der Welt, in der wir leben.«
Publishers Weekly, New York

»Ian McEwan ist einer der größten Könner unserer Tage, und ›Saturday‹ ist ein Bravourstück.«
Ulrich Greiner / Die Zeit, Hamburg 

»Feinfühlig und philosophisch. Faszinierend präzise, ebenso anspruchsvoll wie fesselnd, menschlich und zum Nachdenken anregend. Dieser Roman über einen Hirnspezialisten, geschrieben von einem Kenner des menschlichen Herzens, bestätigt Ian McEwans führenden Rang unter den Autoren seiner Generation.«
The Sunday Times, London

»Auch in diesem, McEwans zehntem Roman geht es um den Moment, in dem ein Leben aus der Bahn gerät. Eine brillante Persönlichkeitsstudie.«
Felicitas von Lovenberg / Frankfurter Allgemeine Zeitung 

»Ian McEwan auf dem Höhepunkt seiner beeindruckenden Fähigkeiten: ein in künstlerischer, moralischer und politischer Hinsicht hervorragendes Buch.«
The Times, London

»›Saturday‹ ist das neue Meisterwerk eines der größten angelsächsischen Autoren unserer Tage. Eine ebenso konzise wie epische Parabel für das existenzielle Unbehagen, das wir angesichts der Weltlage empfinden. Ein großartiger Roman.«
Norbert Kron / Der Tagesspiegel, Berlin 

»Mit Jan Josef Liefers ist ein Sprecher gefunden worden, der auf alle Nuancen des vielschichtigen Textes einfühlsam reagiert. Dieses Hörbuch gehört sicher zum Besten, was der Markt momentan zu bieten hat.«
Georg Günther / Essener Zeitung


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