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Andrea Camilleri - Der geteilte Himmel

Andrea Camilleri
Der geteilte Himmel


Audiobuch Freiburg, 2005
Anzahl CDs: 6
Anzahl in Minuten 450
gekürzte Lesung
Sprecher: Frank Arnold

Hoerprobe 1 (mp3, 8.6 MB)

Bestellen bei amazon.de

Ein Buch wie ein Vulkanausbruch

Andrea Camilleri - Der geteilte Himmel

1935 überfällt Mussolini Abessinien. Der 6-jährige Michilino und seine Eltern, längst im Banne des faschistischen Staatsführers, brechen wie Millionen andere Italiener in Begeisterung aus. Sein Vater, seit langem Parteimitglied, steigt langsam in der Parteihierarchie auf. Da jetzt Fremdenhass und Gewaltanwendung gesellschaftsfähig geworden sind, bekommt Michilino aus erster Hand die Hasstiraden gegen die Neger, Kommunisten und andere Volksfeinde eingetrichtert.
Camilleris Schilderungen des Lebens auf Sizilien sind nicht anders als drastisch zu bezeichnen. Egal ob bei Gesprächen, Gedanken, inneren Monologen oder Handlungen, immer sollte sich der Hörer auf deftige Kost gefasst machen. Fluchen gehört zum guten Ton in dem kleinen Dorf Vigata und der Dorfpfarrer macht da keine Ausnahme. Sex ist eine der Hauptbetätigungen der Dörfler und auch hier macht der Dorfpfarrer keine Ausnahme – schließlich gab es damals noch kein Fernsehen und eine Nacht ist lang.

Dies alles beobachtet und kommentiert Michilino auf eine unnachahmlich kindlich-naive Art und Weise. So empfindet er es als ein „Spartanisches Ritual“, wenn sich sein Privatlehrer sexuell an ihm vergeht oder betrachtet das rege nächtliche Treiben seiner Eltern als „Kampf“ und freut sich, wenn auch mal seine Mutter oben sitzt und es sein Vater trotz heftigem Brustpressen nicht schafft, seine Frau „abzuwerfen“. Trotz allen Ernstes der Geschehnisse schafft es Camilleri, diese Passagen durch witzige Einfälle abzumildern oder ironisch zu überzeichnen. Somit hat der Hörer öfters Gelegenheit, seinen aufgestauten Gefühlen durch explosionsartiges Gelächter Luft zu machen.



Mord und Totschlag



Weniger lustig wird es bei den Passagen, in denen Michilinos ethisch-moralische Werte deutlich werden. Die Hetztiraden seines Vaters und Mussolinis und die Vorschriften und Gebote des erzkonservativen Katholizismus bleiben bei ihm nicht ohne Wirkung. Er verwurstet diese zu einer Art eigener Bibel, nach der er sich richtet.
Darin ist Gewalt und Totschlag nichts Verwerfliches, sondern als Mittel zum Zweck erlaubt. So tötet er gnadenlos mit fast wissenschaftlichem Interesse erst einen Hund und später eine Taube ohne jegliche Gewissensbisse. Die Spirale der Gewalt dreht sich weiter, und so ist es vom Mord an Tieren nicht mehr weit, bis Michilino einen Menschen tötet.

Camilleri gelingt es jedoch trotz der krassen Geschehnisse im Roman, die Geschichte glaubwürdig zu halten. Dies geschieht zum einen durch die metaphernhafte Verknüpfung von Homo-Erotik und Gewalt mit faschistischem Gedankengut und durch die Sichtweise des Romans. Ein unschuldiges 6-jähriges Kind kann vom Entwicklungsstand nicht selbst entscheiden, was „Gut und Böse“ bedeutet. Durch die massive Beeinflussung, der Michilino unterliegt, scheint ihm Gewalt oder sexuelle Unterwerfung zur Konfliktlösung als das angemessene Mittel. Immerhin erlebt er ja in seiner gesamten Umgebung nichts anderes. Als beispielsweise sein Vater beim Ehebruch ertappt wird, kauft er seiner Frau kurzerhand eine wahnsinnig teure „Stereo-Anlage“. Im Gegenzug darf er wieder mit seiner Frau schlafen – allerdings dominiert jetzt die Frau und „reitet“ ihren Mann. Oder er schlägt den Privatlehrer seines Sohnes krankenhausreif und zwingt ihn, am nächsten Tag das Dorf für immer zu verlassen.

Auch Konflikte zwischen politischen Gegnern werden mit der Faust ausgetragen. Der einzige bekennende Kommunist im Dorf wird häufig zusammengeschlagen oder sitzt im Gefängnis. Und als ein Vater eine Meinungsverschiedenheit mit einem Lehrer hat, wird der Lehrer einfach mit einem Fausthieb niedergeschlagen. Damit ist die Diskussion beendet, der Vater behält Recht und negative Konsequenzen aus der Gewalttat erwachsen dem Schläger nicht. Ganz im Gegenteil steigt er noch in der Achtung der Dorfbewohner, weil er sich nicht alles gefallen lässt.



Kindlich naiv und heftig deftig



Frank Arnold liest die italienischen Passagen mit einer bewunderungswürdigen Leichtigkeit. Mit gleicher Akribie verleiht er jedem der handelnden Personen eine eigenständige Stimme, die das Wieder erkennen enorm erleichtert. Besonders Michilino halte ich für besonders gelungen. Sein Tonfall spiegelt exakt die naiv-grausame Weltanschauung des kleinen Jungen wieder und trägt dadurch erheblich zur Komik und „Verdaubarkeit“ der geschilderten Ereignisse bei.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

In seinem persönlichsten Roman greift Camilleri auf eigene Kindheitserfahrungen zurück: Er erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen im Sizilien des Jahres 1935. Mussolinis Propaganda ist auch hier nicht ohne Wirkung geblieben. Der junge Michilino, aufgewachsen mit einem völlig verzerrten Weltbild, weiß schon als Sechsjähriger, daß er einmal ein Soldat des Duce werden möchte.
Camilleri umkreist nicht nur die Frage, was passieren muß, damit ein Kind den Wunsch verspürt, zu töten. Seine Analyse der faschistischen Zeit Italiens offenbart in grotesker Weise auch die erschreckend banale Alltäglichkeit der Gewalt.

Ein Spektakel, wirbelnd, hektisch, tanzend am Rand des Abgrunds… Il Messaggero


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