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Jane Austen - Stolz und Vorurteil

Jane Austen
Stolz und Vorurteil


Argon Verlag, 2005
Anzahl CDs: 10
Laufzeit in Minuten 767
ungekürzte Lesung
Sprecher:

Hoerprobe 1 (mp3, 1.3 MB)

Bestellen bei amazon.de

Kein Hörbuch sondern die opulente Würdigung eines Klassiker

Jane Austen - Stolz und Vorurteil

Das Recht der Frau auf freie Partnerwahl


„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.“

Mit diesem viel zitierten Satz beginnt Jane Austens Roman „Stolz und Vorurteil“, in dessen Verlauf wir das Leben der jungen Elisabeth ein kurzes Stück begleiten. Sie ist eine der fünf Töchter der Bennets, einer der Oberschicht angehörigen Landadelsfamilie mit nur geringem Vermögen. Oberstes Ziel der Mutter ist es, ihre Töchter schnellstens zu verheiraten. Aber in der Provinz mangelt es an standesgemäßen und vermögenden Heiratskandidaten. Da kommt frisches Blut wie der neue Nachbar Mr. Bingley gerade recht. Unverzüglich macht sich Mrs. Bennet daran, Bingley mit ihrer Tochter Jane zu verkuppeln, was zunächst misslingt.
Bei einem Besuch der Bennets bei Bingley lernt Elisabeth, die intelligenteste und eigenwilligste der Töchter, Mr. Darcy kennen, der gesellschaftlich weit über ihr steht. Dieser macht kurze Zeit später Elisabeth einen Heiratsantrag. Doch das Unvorstellbare geschieht: sein Antrag wird abgelehnt. Übrigens ist dies schon der zweite Antrag, den Elisabeth zum Entsetzen ihrer Familie ablehnt.


Die Mauern der gegenseitigen Ablehnung scheinen schon fast unüberwindbar, da lernt Elisabeth Darcy bei einem zufälligen Treffen von einer gänzlich anderen Seite kennen. Doch bevor die jetzt aufkeimende gegenseitige Zuneigung in eine Ehe münden kann, gilt es noch weitere gesellschaftliche und moralische Schranken zu überbrücken.



Gesellschaftliches Aufbegehren oder Sturm im Wasserglas?



Die Figur der Elisabeth in dem 1813 erschienen Roman handelt für damalige Verhältnisse geradezu revolutionär. Das Recht der Frau auf freie Partnerwahl war vor 200 Jahren de facto nicht vorhanden. Ehen wurden häufig unter dem Gesichtspunkt der materiellen Absicherung und nicht aus Liebe geschlossen. Diese und ähnliche Konstellationen führt uns Jane Austen auch genüsslich vor Augen wie beispielsweise die „Geldhochzeit“ zwischen Charlotte und Collins. Einzig die Beziehungen Elisabeth und Darcy sowie Bingleys und Janes sind geprägt von gegenseitiger Achtung und Liebe. 

Allerdings finden die beiden Paare erst zusammen, nachdem eine ganze Reihe von Vorurteilen und Missverständnissen ausgeräumt sind. So wird Darcy beispielsweise von seinem Verwandten Wickham bei Elisabeth verleumdet. Dieser handelt jedoch nicht aus Großmut, sondern aus Eigennutz und Bosheit. Elisabeth vermag jedoch nicht hinter die Fassade zu blicken, vertraut dem Verleumder und lehnt in Folge dessen den Heiratsantrag Darcys ab. 

Erst durch einen Rechtfertigungsbrief Darcys an Elisabeth kommt es zu einer Klarstellung. Elisabeth muss ihre Vorurteile revidieren und erkennt den wahren Charakter Wickhams. Im späteren Verlauf der Geschichte entpuppt sich Wickham denn auch für alle sichtbar als charakterloser Lump. Er brennt mit Lydia durch und kann erst zur Hochzeit bewogen werden mit der Zusicherung eines hohen Geldbetrages, den ausgerechnet Darcy seinem Erzfeind zahlen will.



Minimal aber genial



Das Ziel Jane Austens in ihrem Gesamtwerk war es stets, Miniaturporträts und Modellcharakter zu entwickeln. Dabei gelang es ihr immer wieder, nicht ins klischee- oder schablonenhafte abzurutschen. Sie bedient sich hierzu einer pointierten Darstellung der inneren Vorgänge der Personen oder ausgefeilter Rededuelle. Besonders geschickt verwendet sie in „Stolz und Vorurteil“ die erlebte Rede. Innerhalb der Geschehnisse weist sie jedem Charakter bestimmte moralische Züge oder Normen zu. Doch dies allein führt nicht dazu, dass die Handlungen der Personen richtig sind. Erst die Erkenntnis- und Urteilsfähigkeit ermöglicht den Protagonisten die notwendige Weiterentwicklung. Fehlt jemandem die Fähigkeit, Vorurteile zu hinterfragen und zu revidieren, führt dies zu Stillstand oder Rückschritt. So brechen Wickham und Lydia zwar aus den gesellschaftlichen Konventionen aus. Doch bedeutet dies keine Weiterentwicklung. Nur oberflächlich betrachtet rebellieren sie, knicken jedoch sofort ein, als man ihnen finanzielle Absicherung zusagt.

Die große Kunst Jane Austens besteht in der ironischen Sichtweise auf ihre Charaktere. Besonderes Highlight sind die geschliffenen Dialoge zwischen Darcy und Elisabeth. Diese Gespräche werden vom Erzähler witzig kommentiert, Blickwinkel richtig gestellt, Vorurteile lächerlich gemacht und Gedanken oder Ereignisse ergänzt. Dies in Verbindung mit der Modellhaftigkeit der Porträts und Personen führt dazu, dass die Lektüre dieses Romans auch fast 200 Jahre nach seinem Erscheinen immer noch einfach nur Spaß macht. Und das will in unserer knallbunten Event-orientierten, schnelllebigen Zeit schon etwas bedeuten.



Der pure Luxus



Im Argon-Verlag ist jetzt in einer absoluten Luxus-Ausstattung die vollständige Lesung dieses zeitlosen Klassikers erschienen. Doch nicht nur das aus 10 CDs sowie einer MP3-CD und einem ausführlichen 20-seitigen Booklet bestehenden großformatigen Hörbuch ist der pure Luxus. Auch die Lesung von Eva Mattes ist wieder einmal einzigartig. Man merkt ihr förmlich die Begeisterung für diesen englischen Roman der Weltliteratur mit ihren ironischen und witzigen Untertönen an. Alleine die Art und Weise, wie sie die oberflächlich-dümmliche Mutter von Elisabeth liest, ist göttlich. Besonderes Vergnügen bereitet ihr offensichtlich die Parodie des Sprechfalls der englischen Oberschicht. Perfekt trifft sie den Ton der Borniertheit, des Stolzes und Hochmuts der Upperclass ohne dies jedoch zu überziehen. Dass sie jedem einzelnen Charakter durch Änderung der Stimm- und Tonlage eine persönliche Note verleiht, muss schon nicht mehr erwähnt werden. Es ist immer wieder ein Hörgenuss, der Wandlungsfähigkeit und vielfältigen Ausdruckmöglichkeiten ihrer Stimme zu lauschen.

Fazit: Eine Lesung wie eine magische Brise: sie kitzelt das Ohr, umschmeichelt das Gehirn, reizt das Zwerchfell und entführt den Geist ins ländliche England des 19. Jahrhunderts. Dies ist kein Hörbuch, sondern eine opulente Würdigung eines leicht geschriebenen, witzig-ironischen Miniaturbildes einer an gesellschaftlichen Umwälzungen reichen Zeit.

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Jane Austen ist auch fast zweihundert Jahre nach ihrem Tod eine der weltweit beliebtesten und meistgelesenen Autorinnen. Ihre erzählerische Brillanz, ihre feine Ironie und souveräne Menschenkenntnis haben ihre Werke in den Rang der Weltliteratur erhoben. "Miss Austen erfasste die Winzigkeiten des Lebens bis zur Vollendung. Sie war eine große Künstlerin und in ihrer begrenzten Sphäre Shakespeare ebenbürtig", bringt der Dichter Lord Tennyson Jane Austens schriftstellerische Bedeutung auf den Punkt.

Im Mittelpunkt von Stolz und Vorurteil steht eine der hinreißendsten Frauengestalten der Weltliteratur, die kluge und lebhafte Elizabeth Bennet. Als zweite von fünf Töchtern eines nicht eben vermögenden Angehörigen der englischen Gentry, ist sie gezwungen, sich möglichst vorteilhaft zu verheiraten und muss doch ihrem Herzen folgen, das ihr verbietet, eine Ehe ohne echte Zuneigung einzugehen. Voller Vertrauen in ihre eigene Urteilsfähigkeit weist sie folglich sowohl den selbstgefälligen Mr. Collins als auch den stolzen Mr. Darcy ab - und erkennt ihre Verblendung erst, als es beinahe zu spät ist.


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