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Howard Philip Lovecraft - Der Flüsterer im Dunkeln

Howard Philip Lovecraft
Lars Peter Lueg (Hrsg.)
Der Flüsterer im Dunkeln


Sonstige, 2005
Anzahl CDs: 4
Laufzeit in Minuten 243
ungekürzte Lesung
Sprecher: Dagmar Berghoff, David Nathan, Torsten Michaelis

Hoerprobe 1 (mp3, 4.8 MB)

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Die Umkehrung der Nahrungspyramide

Howard Philip Lovecraft - Der Flüsterer im Dunkeln

Im November 1927 bricht über Vermont eine Flutwelle ungeahnten Ausmaßes herein, die viele Opfer unter der Bevölkerung und den Tieren fordert. Unter den angeschwemmten Kadavern befinden sich aber auch drei höchst merkwürdige, bei der einfachen bäuerlichen und abergläubischen Bevölkerung ekel- und grauenerregende Funde: ca. 1,5 m große, rosafarbene, schalentierartige, mit riesigen Membranschwingen versehene Leiber, die an Stelle des Kopfes ein elipsenartiges Gebilde mit unzähligen, sehr kurzen Fühlern aufweisen. Schnell finden die Augenzeugenberichte Eingang in die Tagespresse, in der eine hitzige Debatte darüber geführt wird, ob es sich hier um eine optische Täuschung oder eine neue Rasse handelt.
Mr. Wilmarth, Professor und Hobby-Ethnologe, bemerkt in den Zeitungsartikeln Einzelheiten, die merkwürdige Übereinstimmungen mit alten Sagen und Mythen der Indianer aufweisen. Als Wissenschaftler ist er jedoch der Überzeugung, es hier mit Aberglauben zu tun zu haben. Doch eines Tages erhält er einen Brief aus New Hampshire der ihn aufhorchen lässt: Der Absender, ein gewisser Mr. Akeley, behauptet, unumstößliche Beweise für die Existenz einer außerirdischen Rasse auf der Erde zu haben.

Ein Meister erzählt Nichts



So beginnt die 1930 geschriebene Kurzgeschichte „Der Flüsterer im Dunkeln“ von H. P. Lovecraft, die jetzt als vollständige Lesung bei LPL-Records in schöner Aufmachung erschienen ist.
Eine der Stärken dieser Geschichte liegt darin, den Hörer in trügerischer Sicherheit zu wiegen. Bereits im ersten Satz macht Lovecraft dies deutlich: „Man sollte sich stets im Klaren darüber sein, dass ich bis zum Schluss nichts wirklich Grauenhaftes gesehen habe“ sagt der Ich-Erzähler namens Mr. Wilmarth. Derjenige, der sich jetzt entspannt zurück lehnt, wird bald eines besseren belehrt, erzählt Wilmarth doch von grauenhaften Dingen, die Andere gesehen haben, und dies sehr plastisch, farbig und Gänsehaut-erzeugend genau. Obwohl die Erzählung recht kurz ist, gelingt es Lovecraft, den Hörer immer wieder mit neuen Entdeckungen zu überraschen und dadurch der Geschichte eine andere Wendung zu geben. Um diesen Entdeckungen eine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit zu verleihen, verwendet er dazu viele verschiedene Objekte, die dem damaligen Stand der Wissenschaft entsprechen wie z. B. Phonographen-Aufnahmen, Photographien, Augenzeugenberichte, Zeitungsartikel, Telegramme etc. 

Wie von Lovecraft gewohnt, haben seine Charaktere eine für das Genre ungewöhnliche Tiefe und Komplexität. Im Verlauf des Plots machen beide eine Entwicklung durch, die glaubwürdig, nachvollziehbar und logisch erscheint und mit dazu beiträgt, die Spannung ungebrochen bis zum Schluss aufrecht zu erhalten.



Batman meets Blade



Einen großen Anteil am erzeugten Horror haben, neben der gelungenen Musikuntermalung, die beiden Sprecher David Nathan und Torsten Michaelis. David Nathan, Synchronsprecher von Christian Bale, verkörpert den jugendlichen, realistischen Wissenschaftler Mr. Wilmarth, sein Gegenpart Mr. Akeley wird von Torsten Michaelis gesprochen, Synchronsprecher von Wesley Snipes. Zu Beginn klingt Wilmarth jung, enthusiastisch, sachlich aber bereits bei den ersten Sätzen schwingt ein undefinierbarer Unterton mit, glaubt man die Stimme zittern zu hören, so als ob sich der Erzähler selber beruhigen oder das, was nun folgt, als Mythos oder Alptraum abtun will. Nathan passt seine Stimme geschickt jeder Situation an und deutet mittels ungewöhnlicher Betonung an, dass er noch nicht alles erzählt hat, was wirklich passiert ist. 

Mr. Akeleys erster Brief schwillt fast über vor Selbstzufriedenheit eines Mannes, der bereits im gesetzten Alter ist, den Überblick des „weisen Alten“ hat und seinen jüngeren Kollegen belehren will. Aber im Verlauf des Schriftwechsels geht eine Wandlung mit ihm durch, die Torsten Michaelis durch seine dynamische Sprechweise ausgezeichnet zu vermitteln versteht. Der Verlag spielt hier die Vorteile des Mediums „Hörbuch“ gegenüber einer Printausgabe voll aus. Michaelis liest dermaßen dramatisch und emotional, dass Akeleys Entsetzen auf den Hörer überspringt und man froh ist, wenn David Nathan nach so einem Absatz mit seiner zweifelnd-wissenschaftlichen Stimme wenigstens für kurze Zeit Raum zum Luftschöpfen bietet – allerdings währt auch im späteren Verlauf der Geschichte dieser Zustand nicht lange, da dann beide Protagonisten von grauenhaften Erlebnissen berichten und der Vortrag dieses Grauen plastisch erlebbar macht.



Vier gewinnt



Um die Person von Lovecraft ranken sich bis heute hartnäckig einige Gerüchte. Eines davon behauptet, er wäre ein Menschenfeind gewesen und habe sich gescheut, persönliche Kontakte zu Menschen aufzunehmen. LPL-Records unternimmt mit einer Bonus-CD den Versuch, diesem Vorurteil entgegen zu treten. Dagmar Berghoff trägt die „Persönlichen Erinnerungen von Muriel E. Eddy“, einer langjährigen Freundin Lovecrafts, mit ihrer wohlbekannten Stimme vor. Zwar ist dieser Abschnitt nur knapp 28 Minuten lang, aber er wirft ein gänzlich anderes Licht auf den Autor und es sind genau 28 Minuten mehr, als andere Verlage an Hintergrundinfo anbieten.



Nebeneinander aber nicht Miteinander



Lovecraft wird bis heute der Vorwurf gemacht, er sei ein Rassist und Verfechter der Rassentrennung. Hierüber soll hier kein Urteil gefällt werden. Auffällig ist jedoch, wie auch in anderen Geschichten, dass die Situation zwischen Außerirdischen und Menschen erst dann eskaliert, als es auf Grund der Ausbreitung der menschlichen Siedlungen in unwirtliche Gegenden unvermeidlich erscheint, dass beide Rassen aufeinander treffen. Eine Co-Existenz scheint nicht möglich zu sein. In Lovecrafts möglichen Welten gehen die Außerirdischen immer mit außerordentlicher Härte, Unmenschlich- und Gleichgültigkeit gegen die Menschen vor. Emotionen sind nicht sichtbar und das Motiv so alt wie einleuchtend: „Du, Mensch, hast etwas, das ich zum Überleben meiner Rasse brauche. Gib es mir freiwillig oder ich nehme mir, was ich brauche.“ Die menschlichen Protagonisten, meistens erfahrene Wissenschaftler, stehen dieser Brutalität fassungslos gegenüber und finden auch keinerlei Lösung für dieses Problem.



Du weißt schon wer



Zwei witzige Details sollten nicht unerwähnt bleiben. Zum einen erklärt Lovecraft endlich und abschließend, warum es nicht möglich ist, Außerirdische zu photographieren. Das versetzt uns endlich in die Lage, zu verstehen, warum auf Photos von UFOs etc. immer nur undeutliche, verwackelte, kaum zu erkennende Objekte schemenhaft abgebildet sind.

Zum zweiten taucht in „Flüsterer im Dunkeln“ eine Sekte auf, geführt von der Außerirdischen Gottheit „Hastur“, die wiederum andere Ziele verfolgt als „Die Alten“ oder die Menschen. Diese Gottheit „Hastur“ trägt den Beinamen „Er, der nicht genannt werden darf“ – kommt Ihnen dieser Terminus auch wie von Ferne bekannt vor?

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Man sollte sich stets im Klaren darüber sein, dass ich bis zum Schluss nichts wirklich Grauenhaftes gesehen habe. Doch bedeutet es die offenkundigen Tatsachen meines Erlebnisses zu ignorieren, wenn man behauptet, ein seelischer Schock sei die Ursache meiner Schlussfolgerungen gewesen – praktisch der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, sodass ich nachts aus Akeleys einsamen Gutshaus floh und in einem gestohlenen Wagen durch die wilde Berglandschaft Vermonts raste. Obwohl ich von Henry Arkeley viele Informationen erhielt und er mir auch seine Mutmaßungen mitteilte, ich Dinge sah und hörte, die bei mir einen zugegebenermaßen äußerst lebhaften Eindruck hinterließen, so kann ich doch nach wie vor nicht beweisen, ob ich mit meinen Schlussfolgerungen richtig liege oder nicht. Denn im Grunde genommen besagt Akeleys Verschwinden gar nichts. Außer den Einschusslöchern innen und außen fand man in seinem Haus nichts Ungewöhnliches. Alles wirkte so, als sei er nur zu einer Wanderung in den Bergen aufgebrochen, von der er aber nicht mehr zurückkehrte. Es gab nicht das geringste Anzeichen dafür, dass sich ein Besucher im Haus aufgehalten hatte, oder dass jene abscheulichen Zylinder und Apparate im Arbeitszimmer gelagert worden waren. Dass Akeley eine tödliche Angst empfand angesichts der dicht gedrängten, bewaldeten Berge und der zahllosen dahinplätschernden Bäche der Gegend, in der er geboren wurde und aufgewachsen war, ist ebenfalls bedeutungslos – schließlich leiden Tausende unter solch krankhaften Ängsten. Außerdem lassen sich seine Befürchtungen und sein sonderbares Verhalten leicht mit einer exzentrischen Veranlagung erklären. Die ganze Sache begann, jedenfalls soweit es mich betrifft, mit den historischen und beispiellosen Überschwemmungen, die Vermont am dritten November 1927 heimsuchten. Damals war ich, und bin es noch heute, Literaturprofessor an der Universität Miskatonic in Arkham, Massachusetts, und erforschte nebenbei begeistert die volkstümlichen Überlieferungen Neuenglands. Kurz nach dem Hochwasser fanden sich unter den zahlreichen Zeitungsberichten über Leid, Elend und organisierte Hilfsmaßnahmen so viele merkwürdige Geschichten über Dinge, die man angeblich in den angeschwollenen Flüssen gesehen hatte, dass etliche meiner Freunde eifrig darüber diskutierten und mich darum baten, ein wenig Licht in die Sache zu bringen. Ich fühlte mich geschmeichelt, dass sie meine Volkskundestudien so ernst nahmen, und tat, was ich konnte, um diese unklaren, verworrenen Berichte herunterzuspielen, die mir eindeutig Auswüchse alten bäuerlichen Aberglaubens zu sein schienen. Es amüsierte mich zu sehen, wie mehrere durchaus gebildete Personen auf der Meinung beharrten, dass sich hinter den obskuren Gerüchten ja Tatsachen verbergen könnten.


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